Reviews I bis Z
Von Klaus "Nick" Wukovits, Bettina "bettre" Treiber, Alex Kornfeld, Heinz Fabsics, Petter Pürrer und Roman Buchta

Viele der Besprechungen erschienen im
Concerto Magazin, die meisten anderen in der
FARGO Times.

FARGO - hier gehts zur Übersicht

Die Kritiken sind alphabetisch, nach dem korrekten Wortlaut des Künstlernamens geordnet (nicht nach Nachnamen - d.h: Lenny Kravitz ist unter L und nicht unter K zu finden. Zum Suchen eines bestimmten Namens kannst Du auch die Tastenkombination "Strg" und "F" drücken.
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Iggy Pop
Avenue B
* * * *
"Es war im Winter meines fünfzigsten Lebensjahres als es mir schlagartig bewußt wurde ... Jedes Lächeln und jede Berührung, die ich bekommen konnte, wurden bedeutender für mich." Mit diesen gesprochenen Worten beginnt Iggy Pops neues Album. Der einstige Wüstling der Rockmusik ist nachdenklich geworden. Nach der ruhigen und wegweisenden Einleitung bleibt es ruhig, von Punk keine Spur. Auch wenn er beim zweiten Song "Nazi Girlfriend" meint "I want to fuck her on the floor", so sind das doch Träume, die sich ein durchschnittlicher 50jähriger noch allemal erfüllen könnte. Wäre doch gelacht. "Avenue B", Nummer 3, ist eine Ballade, und "Miss Argentina" ist ein wunderschöner Lovesong. Iggy, der Leguan, der sich niemals angepaßt hat, ist ruhig geworden.
Rock'n'Roll Freunde kommen erst beim 6. Song "Shakin' All Over" auf ihre Kosten und werden schon beim nächsten Song wieder in Iggys neue Realität zurückgeholt. "I'm fifty and I'm tricky, and I'm sick of being alone" stöhnt Herr Pop ins Mikro und kennzeichnet damit einen weiteren Höhepunkt seines aktuellen Werks. Nicht die Iggy Pop typische ungehemmte Energie zeichnet Avenue B aus, sondern die Reduktion und der Mut zu fast schon schmerzlicher Ehrlichkeit. Am eindringlichsten geschieht das bei der dritten gesprochenen Nummer "She Called Me Daddy", wo man vermeint, Iggys Schluchzen zu vernehmen. (nick)

IGGY POP
Naughty Little Doggie (Virgin 24384 13272)
 
Herr Pop weilt, wider aller Naturgesetze, immer noch unter den Lebenden. Und er hat es auch noch länger vor zu tun. "A Little Bit Longer" wenigstens, wie er gleich bei der ersten Nummer "I Wanna Live" bekundet. Gut so. Wie er es so lange geschafft hat, ist sowieso jedem Mediziner ein Rätsel. Doch sein früherer, liederlicher Lebenswandel hat, außer in seinem Gesicht keine Spuren hinterlassen. Sein Körper ist nach wie vor der eines 20jährigen, drahtig, zäh und durchtrainiert. Wie seine Musik. Iggy Pop machte schon in den seligen Stooges Zeiten den schönsten Punk-Rock im Land. Und ist seither immer besser geworden. Naughty Little Doggie ist ein herrliches Rock´n´Roll Album geworden. Pubertär schwärmt Iggy von jungen Frauen und macht sich um deren Geschlecht Gedanken ("Pussy Walk). Souverän schwingt er die Hard-Rock Gitarre ("I Wanna Live"), prügelt bissige Punk-Rock Kracher aus seiner Gibson und trällert beschwingte Melodien zu stampfenden Rhythmen ("Outta My Head"). Manchmal nimmt er sich auch Zeit für herzergreifende Geschichten, da klimpert er auf der Gitarre, läßt sogar eine Orgel aufspielen und erzählt von seinen Abenteuern. Die sind einmal relativ unbedeutend (Shoeshine Girl") das anderemal um so berührender und teilweise autobiographisch, wenn es um seine Drogenvergangenheit geht ("Look Away"). "Herr Pop, wir wünschen Ihnen und uns daß Sie noch recht lange leben. Und vielleicht haben sie wieder einmal Zeit und schauen bei uns in Wiesen vorbei. Würde uns freuen."

Jamiroquai / Synkronized
Das Ding swingt, unbestritten. Ebenso unbestritten ist, daß der Kopf und Star der Band Jay Kay der letzte große Soul/Funk Interpret ist. 10 Millionen verkaufte Alben machen ihn zum Multimillionär, der ungeniert vom Umweltschutz singt und dabei mit einem seiner zahlreichen Sportautos durch die Gegend kurvt, während sein Personal die 6 Badezimmer und 11 Schlafzimmer seines Palastes putzt. Doch auch dieser Widerspruch paßt zu dem kleinen Mann mit Hut. Wie viele Funkgrößen vergangener Tage, ist auch Jay Kay ein kontroversieller Typ, der den Prunk liebt, und so nebenbei verkaufsträchtige Alben aus dem Ärmel schüttelt. Daß sich das aktuelle gut verkaufen würde, kündigte schon der Singlehit "Deeper Underground" (O.S.T. Godzilla) an, daß das neue Album aber unberührt von allen Modeerscheinungen dem bisherigen Stil Jamiroquais treu bleiben würde, konnten die Fans nur hoffen. Wie gehabt, bedient sich die Band bei allem was groovt, R&B, Soul, Funk, Disco und dazu eine kräftige Prise Pop. Fette Bläser, ein Boogie Woogie Klavier und ein perfekter Sound, alles nichts Neues. Ganz im Gegenteil, alles von Stevie Wonder, Donna Summer, Chic und etlichen anderen 70er Dancebands gestohlen. Na und? (nick) * * * *

Jamiroquai
Synkronized
Das Ding swingt, unbestritten. Ebenso unbestritten ist, daß der Kopf und Star der Band Jay Kay der letzte große Soul/Funk Interpret ist. 10 Millionen verkaufte Alben machen ihn zum Multimillionär, der ungeniert vom Umweltschutz singt und dabei mit einem seiner zahlreichen Sportautos durch die Gegend kurvt, während sein Personal die 6 Badezimmer und 11 Schlafzimmer seines Palastes putzt. Doch auch dieser Widerspruch paßt zu dem kleinen Mann mit Hut. Wie viele Funkgrößen vergangener Tage, ist auch Jay Kay ein kontroversieller Typ, der den Prunk liebt, und so nebenbei verkaufsträchtige Alben aus dem Ärmel schüttelt. Daß sich das aktuelle gut verkaufen würde, kündigte schon der Singlehit "Deeper Underground" (O.S.T. Godzilla) an, daß das neue Album aber unberührt von allen Modeerscheinungen dem bisherigen Stil Jamiroquais treu bleiben würde, konnten die Fans nur hoffen. Wie gehabt, bedient sich die Band bei allem was groovt, R&B, Soul, Funk, Disco und dazu eine kräftige Prise Pop. Fette Bläser, ein Boogie Woogie Klavier und ein perfekter Sound, alles nichts Neues. Ganz im Gegenteil, alles von Stevie Wonder, Donna Summer, Chic und etlichen anderen 70er Dancebands gestohlen. Na und? (nick) * * * *

Jestofunk
Universal Mother

Jestofunk sind einzigartig. Nicht nur, daß sie mit "Love In A Black Dimension" ein Meisterwerk ablieferten, sie bewiesen auch schon zweimal in Wiesen, daß sie ihre fetten Beats auch live hervorragend rüberbringen können. Und was eigentlich kaum vorstellbar war, sie schaffen auch mit "Universal Mother" ein Werk das sich mit dem Vorgänger messen kann. Und mit "Why?" dürfte ihnen sogar wieder ein Clubhit gelungen sein. Dem wunderbaren Ce Ce Rogers sei dank. (wukl) * * * * *

Jill Scott
"Who Is Jill Scott..."
Johnny Cash
American III: Solitary Man

K’s Choice
Coroon Crash

Belgiens Pop-Export geht mit einem neuen Album ins Rennen. Beim letzten Versuch (Paradise In Me) hätte die Band um Sarah und Gert Bettens schon fast den internationalen Durchbruch geschafft, doch dann blieb es doch nur beim Achtungserfolg. Immerhin "Not An Addict" erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit und ist ja auch im Marquee einer der größten Hits.
Insgesamt ist Coroon Crash reifer und kompakter als sein Vorgänger, doch nach wie vor hapert es an den alten K’s Choice Problemen. Es fehlt die Eigenständigkeit, der gewisse Touch und diesmal fehlt auch noch ein herausragender Song á la "Not An Addict".

Kurt Ostbahn & Die Kombo
Fünfzig Verschenkte Jahre
Kurt Ostbahn ist ein Fixstern am musikalischen Himmel Österreichs, ist Schauspieler, mit dem Integrationshaussozial schwer engagiert, Radiostar und, und, und. Sein Schmäh ist einzigartig und als Sänger ist er unvergleichlich. Kaum zu glauben, aber nun ist auch der Kurtl so alt wie er des öfteren aussschaut. Dabei, wenn mans genau nimmt, kann das nicht stimmen. Fünfzig ist vielleicht der Willi Resetarits, aber der Kurt Ostbahn, der ist meines Wissens noch nicht einmal zwanzig. Na Wuarscht. Günther Brödl, Texter der meisten Ostbahn Songs (und Bücher), Kurt Ostbahn und Kombo (der u.a. Karl Ritter und Klaus Trabitsch angehören) nahmen erneut ein Album auf, das alten Country und Soulklassikern huldigt und natürlich darf auch der legendäre Favoriten'n'Blues nicht fehlen. Daneben finden sich aber auch überraschend viele Eigenkompositionen und das musiklaische Spektrum hat sich noch um Reggae und Sydeco erweitert. Der Spaß der hervorragenden Kombo am musizieren ist der Platte anzuhören, genauso wie die weltoffene Einstellung der Beteiligten, was aber nicht heißt, daß es sich erneut um ein Meisterwerk handelt (wie Espresso Rosi etwa). Fünfzig Verschenkte Jahre ist eine entspannte Reise durch, hauptsächlich, amerikanische Musikstile mit einigen Höhepunkten aber auch einigen Durchschnittlichen Songs. Das liegt vor allem an der mangelnden Qualität so manchen Stückes aber auch an dem etwas laschen Vortrag der R&B Nummern. Höhepunkte sind die Slow Motion Songs wie "I Woat Drauf Dass De Zeit Vageht", genial der Ragtime "Ratziputzi" und auch "Wia Schnö De Zeit Vageht" (orig. Willie Nelson) ist höchstes Niveau. (nick) * * * *

LENINGRAD COWBOYS
Go Space (BMG Ariola 43213 16472)
 
Das Konzept Aki Kaurismäkis war von Anfang an genial. Der Regisseur erfand eine verrückte Geschichte, rund um einen noch verrückteren Haufen Musiker. Verpaßte ihnen ein herrlich komisches Outfit und schickte sie mit Coverversionen alter Rockkracher und Traditionels auf Tour. Sensationell war auch der bald folgende Film "Leningrad Cowboys Go America". Nicht die Qualität der Musik zählte, nur das Spaß-Potential. Da ist es natürlich umso peinlicher, wenn dieses plötzlich fast völlig entschwunden ist. Die Band, die sich selbst als "Die schlechteste Rock Band der Welt" bezeichnet, versucht sich auf einmal mit sanften Männerstimmen Marke Bon Jovi und mit radiotauglichen Arrangements. Gezwungenermaßen scheitern sie dabei an ihren begrenzten, musikalischen Möglichkeiten. Diese haben bisher niemand gestört, wichtiger waren Aussagen wie "We are from America", in bestem russischen Akzent. Doch die fehlen nun. Und daß ihnen nichts anderes einfällt, als ihren alten Bühnentraktor wieder hervorzugramen und ihn diesmal "Space Tractor" nennen, ist auch nicht sehr Originell. Genausowenig wie, daß sie, nach Amerika, nun Space gehen. (wukl) * *

Lenny Kravitz
Greatest Hits

Lenny Kravitz
5

"Roch’n’Roll Is Dead" verkündete Lenny Kravitz vor 3 Jahren, und auch wenn er diese Todesmeldung verfrüht hinausposaunt hat, so scheint dies zumindest für den Rasterlockigen Musiker Gültigkeit zu haben. Rock’n’Roll gibt es auf Kravitzs 5. Album nicht zu hören. Stattdessen gibt sich der Multiinstrumentalist (auch diesesmal hat er fast alle Instrumente selbst eingespielt) funky. Doch das will ihm nicht so recht gelingen. Was ihm gelingt sind seine bewährten Balladen, welche es auch auf seinem 5. Album zuhauf gibt. Doch wo sind Songs wie "Mama Said"? Leider, diese Zeiten scheinen endgültig vorbei. (wukl) * * *

Limp Bizkit
Significante Other

Das hat Symbolwert, Limp Bizkit übernahmen Anfang Juli Platz eins der US Charts, verkauften allein in der ersten Woche über 600 000 Alben und verdrängten damit die Backstreet Boys von der Spitze. Aggressive rock's back. Für ein Album dieser Härteklasse ist eine Chartplatzierung an sich schon eine Besonderheit, ein Platz eins ist eine Sensation, so wie die Platte eine Sensation ist. Ein perfekt abgestimmtes Menü für Freunde der bretternden E-Gitarre. Ob funky Metal-Punk (Red Hot Chili Peppers lassen grüßen), ob krachender Shout Metal (Soulfly im Visier), ob Grunge oder HipHop, nur feinste Zutaten fanden den Weg in die Küche des US-Quintetts, und so verwundert es wenig, daß die Namen der Gastköche ebenfalls haubendekorierte Feinspitze sind. Method Man vom New Yorker Wu-Tang Clan, Scott Weiland, Kopf der Stone Temple Pilots oder Jonathan Davis, seineszeichens Sänger von Korn. Produziert hat Terry Date, bekannt durch Arbeiten mit Panterra, Soundgarden und White Zombie, gemixt Brendan O'Brian (u.a. Pearl Jam, Stone Temple Pilots).
Bei genauerem hinsehen stellt man fest, daß der jetzige Hype um Limp Bizkit so überraschend auch wieder nicht ist. Ihr Debüt "Three Dollar Bill, Yall$" (1997) ging schon 1,6 Millionen Mal über den Ladentisch und vor allem das Cover von George Michael's "Faith" besorgte der Band ihren ersten Hit. Motor und Vordenker der Band ist Fred Durst. Der Sänger zeichnet nicht nur für die meisten Kompositionen verantwortlich, sondern auch für die Videos, er taucht als Gast bei Korn und Soulfly Alben auf, er entwirft die Bühnendekoration mit und er produziert Platten befreundeter Bands. Vor allem aber liebt Fred Durst nach eigenen Aussagen auf der Bühne zu stehen. Welch gute Figur er da macht kann man beim Video zum aktuellen Singlehit "Nookie" sehen und daß er und seine Band auch auf allen anderen Gebieten hervorragend sind, beweist diese energiegeladene Platte für die es nur höchstes Lob geben kann. (nick) * * * * * *

LINKIN PARK
Hybrid Theory

M . . . . . . M

Madonna
Music
* * *

(nick)

Madonna
Ray Of Light
* * * * *
 
Wer hätte das gedacht. Madonna, die große Dame der 80er, hat ihre Sinnsuche beendet. Vorbei die Zeit, wo die ehemalige "Virgin" in ihren Videos provokant mit jungen Priestern geile Spielchen trieb, wo es vor allem um Sex und nicht um Musik ging. Nun ist sie neuerlich mutiert. Zur Evita und in der Folge zur liebenden Mutter. Was nicht heißen soll, daß sie nun mit ihren Reizen geizt. Das nicht, die fast 40jährige gibt sich im Booklet zu ihrer neuesten CD weiterhin freizügig, nur diesmal nicht um der Provokation willen, sondern nur weil es gut ausschaut, oder weil sie sich eben so gefällt. Tatsache ist, daß Madonna wieder Musik macht. Und was für eine. Sie hat sich einige der modernen Stilmittel (Breakbeats, Drum´n´Bass) angeeignet und versetzt damit gekonnt ihre Songs.
"Ray Of Light" ist, wie üblich bei Madonna, eine Platte mit dancelastigen Balladen. Mit herrlichen Epen und mit druckvollen Dancefloor-Krachern. Die erste Single "Frozen" konnte sich ja schon in den Charts plazieren, der Song "Ray Of Light" wird sich unter Garantie in den Discotheken und Clubs etablieren. "Mer Girl" wird alle zum Weinen bringen, und Madonna wird auch dieses Jahrzehnt wieder als die Größte beenden. (wukl)

Marcy Playground
 
Ein unspektakuläres Album mit dem sich Marcy Playground da vorstellen, und doch haben sie auch schon einen formidablen Hit - "Sex And Candy". Bescheiden und schlicht sind die Songs von John Wozniak und ihre Kraft liegt in ihrer Einfachheit. Wozu viel tam tam machen, eine schöne Melodie, ein sehnsuchtsvoller Sänger und eine Menge Traurigkeit genügen ("One More Suicide"). Aber Marcy Playground ist keine Band die runterzieht. Zwar bietet das in New York lebende Quartett viel Zynismus und Melancholie aber auch Witz (Dog And His Master") und vor allem verpacken sie ihre Perlen in Folk-Pop mit leichten Melodien. Ein Album von jungen Männern die zwar mit der Welt hadern, aber die Hoffnung noch nicht aufgegeben haben. Schön und gut. (wukl) * * * * * *

Massive Attack
Mezzanine
 
Im Anfang waren Massiv Attack. Die drei DJs aus Bristol (mit-) erfanden Anfang der 90er den TripHop. Ein Stil der, vom HipHop kommend, sich in den Jahren danach zum Fixstern am Himmel des, ansonsten von unzähligen Sternschnuppen durchzogenen, Dance-Genres entwickelte. "Blue Lines" hieß ihr damaliges Meisterwerk, drei Jahre später rangen sie sich "Protection" ab und nun soll "Mezzanine" das Jahrzehnt des TripHop ausklingen lassen. Dazwischen lagen großartige Erfolge von Tricky, Portishead, Moloko,... alles Musiker die aus der Quelle "Blue Lines" schöpften. Klar, daß da viel vom neuen Massiv Attack Werk erwartet wurde.
"Mezzanine" kann die Erwartungen erfüllen. Ein Dance Album von höchster Qualität. In gewohnter Slow Motion Manier entwickeln die drei Djs ihre Songs. Versetzten sie mit Zitaten aus der jüngeren Musik Geschichte und erlangen dadurch eine fiebrige Spannung die sich erst auflöst, wenn ihre neue Sängerin Elizabeth Fraser (Cocteau Twins) ihre Stimme erhebt. Greift sich aber Horace Andy das Mikro erreichen Massiv Attack ihren Höhepunkt. "Man Next Door" (mit einem Cure-Sample) und das schon vor Monaten als Vorabsingle veröffentlichte "Risingson" (hier werden Velvet Underground zitiert) sind zwei solche Meisterwerke.
(wukl) * * * * *

Van Morrison
Back On Top
Was kann man von einem Mann erwarten, der vier Jahrzehnte im Geschäft ist, der in den frühen 60ern mit "It's All Over Now Baby Blue" seinen ersten Hit hatte, der mit "Astral Weeks" 1968 ein Jahrhundertalbum schuf und der seit damals regelmäßig und immer auf hohem Niveau Platten veröffentlicht. Auf "The Man" ist verlaß, und beweisen muß er schon längst keinem etwas. Warum er sein neustes Werk "Back On Top" nennt sei also dahingestellt.
Relaxed wie schon lange nicht, bietet es alle Qualitäten des Eigenbrötlers aus Irland. Herrliche Soulballaden (Philosophers Stone, In The Midnight, When The Leaves Are Falling Down), jazzige, soulige funky Songs (New Biography, Precious Time).
Bei seinem flotten R&B-Feger "Goin Down To Geniva" freut sich der Österreicher, denn "Last night I played a gig in Salzburg" - Van The Man in Salzbörg, da jubiliert der Musikliebhaber. Trotz seines immensen Outputs, gerade in den letzten Jahren, hat Van Marrison schon lange (seit "Enlightment"?) keine so unbemühte, melancholische und fröhliche Musik gemacht.
Er ist einfach zum Knuddeln dieser geniale Grantscherm. (nick) * * * * *

Muse
Showbiz
* * *
Motor Music 7 31454 79792 4
Vertrieb: Universal
 
Britpop ist tod. Es lebe Britpop. Supergrass, Weezer, Ocean Color Scene, Terrorvision... sind in der Krise oder haben sich schon aufgelöst. Blur haben sich einen neuen Stil zugelegt und Oasis sind nur noch 50% der Originalbesetzung. Dafür aber boomen Bands wie Placebo, Catatonia, Travis und das neueste Ding heißt Muse. Wie Travis auch, bewegen sie sich stilistisch im Fahrwasser von Radiohead, das, und vor allem ein paar wirklich gute Songs rechtfertigen den, im Vereinten Königreich stattfindenden Hype zumindest teilweise. Muse sind o.k. Ein Trio aus dem Südwesten Englands, das seine Hausaufgaben gemacht hat. Das leider allzuoft Radiohead kopiert, sich aber schon auch mal grungig klingt und, wie beim Titelsong, sich auch bei Keith Richards Erbe bedient. Das ist besonders o.k. (nick)

Natalie Imbruglia
Left Of The Middle
* * *
74321 544412
Vertieb: BMG
Neue Frauen braucht der Markt. Ehrlich müssen sie sein. Oder zumindest so wirken. Eine Wanderklampfe wäre gut, ist aber nicht zwingend notwendig und sie sollten sehr natürlich wirken. Kaum ist der Run auf Meredith Brooks vorbei, findet sich die nächste Dame in den Charts. Mit garantiert autobiographischen Texten und voller Power.
Natalie Imbruglia hat alles, sie ist jung, hübsch, wirkt scheu wie ein Reh und strahlt doch Selbstbewußtsein aus. Aber sie hat noch mehr, sie hat "Torn" einen Single-Hit der weltweit die Charts stürmte und dem "Smoke" garantiert folgen wird.
Das dürfte dem ehemaligen Soap-Star vorerst reichen um damit eine große Sangeskarriere starten zu können. Es wird auch reichen müssen, denn abgesehen von diesen beiden Songs findet sich nicht viel aufregendes auf "Left Of The Middle". Songs mit eher durchschnittlichen Qualitäten. Weder schlecht noch auffallend gut. Aber was soll´s, die nächste starke Frau kommt bestimmt und wir können´s schon kaum mehr erwarten. wukl

New Radicals
Maybe You've Been Brainwashed Too
Es gibt Hits die verdanken ihren Erfolg vor allem den dazugehörigen Videos (Beastie Boys Sabotage, Fatboy Slims Praise You), zu diesen gehört "You Get What You Give" auf keinen Fall. Der Film zum Hit der, oder besser des New Radicals ist ein Langeweiler und zeigt Gregg Alexander der für dieses Projekt so gut wie allein verantwortlich zeichnet als unspektakulären, schlecht tanzenden Sänger der in einem Einkaufszentrum allerlei Kindereien veranstaltet. Aber der Song, der hats, das gewisse Etwas. Nach den Staaten und England sind nun auch die Kontinentaleuropäischen Charts auf den Geschmack gekommen. "Somebody We'll Know", die 2. Singleauskopplung wird, wird, und da braucht man kein Prophet zu sein, ebenfalls in den Cahrts landen. Warum? Weil Gregg weiß wie man Pophits macht. Reffrains die ins Ohr gehen und die man sofort mitsingen kann. Einfache Botschaften die aber doch irgendwie Sinn ergeben (siehe Titel des 1. Hits), soulig, melodiöse Songs die frohe Laune verbreiten. Der Mann ist gut. Auch wenn er nicht tanzen kann. (nick) * * * *

P J Harvey
Is This Desire?
 
"Die weibliche Antwort auf Nick Cave" ist wohl die häufigste und treffendste Beschreibung für Polly Jean Harvey. Wenn er der König der Finsternis ist, ist sie die Königin. Ähnlich wie der Australier galt sie lange Zeit als Geheimtip, als die Hoffnung des Undergrounds, bevor sie mit ihrem 3. Album den Sprung ins Rampenlicht schaffte. Nicht zuletzt auch deswegen, weil sie, ähnlich wie Cave, etwas zur Ruhe gekommen war, nicht mehr mit voller Wucht um sich schlug und dadurch etwas leichter verdaulich geworden war. Ein Beweis für ihren Kultstatus in England ist das vor kurzem erschienene, ihr gewidmete Tributalbum. Entsprechend groß waren die Erwartungen an ihre neue Platte. "Is This Desire" kann diese aber nur mitnichten erfüllen. P J Harvey läßt es auch diesmal ruhiger angehen, es gelingen ihr aber leider nur selten so hypnotisch-berührende Songs wie sie auf "??????" zuhauf zu finden waren. Der Titelsong "Is This Desire?" hat solche Qualitäten, "The Garden" auch. Das sollte ja reichen, um P J Harvey weiter als "The Queen Of The Underground" zu etablieren. (nick) * * *

Paradise Now!
erica
* * * *
BMG Ariola
 
Das jüngste Kind Österreichs größter Rockhoffnung (neben Naked Lunch vielleicht) ist eine Bestätigung der Talentprobe die das niederösterreichische Quartett beim Vorgänger "Tiny Little Fish" abgelegt hatten. Nach dem Erfolg dieser Platte, und vor allem den Auftritten im Vorprogramm von U2 (Wr. Neustadt 1997, ca. 80 000 Zuschauer) und The Rolling Stones (Wr. Neustadt 1998, ca. 75 000 Zuschauer) sind Paradise Now! Österreichs Rockband Nummer Eins. Dies vor allem auch weil sie eine phantastische Liveband und der glatzköpfige Sänger Markus Stachl ein exzellenter Frontmann ist.
Um auch auf CD für den richtigen Ton zu sorgen, scheuten PN! keine Kosten und Mühen und holten sich gleich ein paar erfahrene Helfer ins Studio. Neben den beiden Beat 4 Feat Männern, Werner Stranka und Martin Gellner, in deren Wiener Studio die Platte aufgenommen wurde, drehten noch Chris Shepard und Howie Weinberg an den Reglern. Ersterer durfte schon Smashing Pumpkins Rock mit elektronischen Effekten veredeln helfen und zweiterer kann auf Zusammenarbeiten mit Größen wie U2, oder Skunk Anansie verweisen. So überrascht es auch nicht sonderlich, wenn der schönste Song des Albums "Die" an Smashing Pumpkins erinnert, andere liegen irgendwo zwischen Depeche Mode und Red Hot Chili Peppers. Keine schlechten Referenzen also. Und trotzdem, einige der Songs wirken ob der elektronischen Zusätze etwas zu überladen und bombastisch. Mir persönlich wäre PN! naturbelassen lieber gewesen, alles in allem aber ist erica ein hübsches Kind geworden, auf das seine Eltern zurecht stolz sein können. (nick)

Patti Smith
Peace & Noise
* * * *
BMG (07822 18986)
Wer ist übriggeblieben von den innovativen Helden der 60er und 70er Jahre? Iggy Pop, Lou Reed, Neil Young, vielleicht Bob Dylan und, genau, Patti Smith. Die große Dame des Punk hatte zwar bis zum Vorjahr eine achtjährige Pause eingelegt, nun ist sie aber wieder voll dabei. Kompromißlos wie je geht sie mit sich und der Welt hart ins Gericht und schenkt niemanden etwas. Außer wunderbarer Musik.
War ihr Comeback "Gone Again" noch geprägt vom Verlust ihres Gatten und Freunden, schlägt Patti nun wieder etwas härtere Saiten an. Peace & Noise ist erneut ein sehr emotionales Album, welches in manchen Passagen an ihr Horses-Meisterwerk erinnert, in anderen wieder an seinen Vorgänger Gone Again. Rockkracher und Balladen wechseln sich ab und beweisen, daß Patti Smith noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
(wukl)

Pearl Jam
Yield
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5099748936523
Vertrieb: Sony
 
Die Dinosaurier des Grungerock sind zurück. Eddie Vedder hat seine Melancholie kurz überwunden und gibt sogar Interviews. Oh Wunder. Video werden Pearl Jam wieder keines drehen, aber das macht sowieso nur der Plattenfirma sorgen. Wir sind vielmehr an der Musik interessiert, und vielleicht an einem Konzert. Doch damit wird es ja wahrscheinlich wieder nichts werden.
Für den Moment muß die Musik reichen.
"Yield" hat alle Qualitäten, die Pearl Jam ausmachen, vereint. Da ist einmal der Opener ""Brain Of J." welcher an alte wildere Zeiten erinnert. Doch spätestens beim vierten Song "Given To Fly" zeigen Pearl Jam, was wir schon immer wußten, daß ihre wahren Qualitäten in den Midtempo Nummern liegen. Ein getragen-trauriger Beginn mündet in den hymnischen Reffrain und Pearl Jam heben ab. Und dann kommt "Wishlist", ein kitschig-schöne Song, der nur dank Eddie Vedders engagiertem Gesang nicht zum Schlager verkommt. Weiter Perlen sind "No Way" und "Push Me Pull Me". "Yield" ist nicht das beste Pearl Jam Album, aber die beste Rock Platte seit langem. wukl

Placebo
Black Market Music
* * * *
Der Lidschatten ist weniger geworden. Glitter verwendet Brian Molko fast keinen mehr, und angeblich trägt er jetzt manchmal auch Männerkleidung. Natürlich nicht in der Öffentlichkeit, nein, aber zu Hause, heimlich, vorm Schlafzimmerspiegel. Aber sonst ist eh alles beim Alten geblieben. Das britische Glam & Glitter Revival war nur von kurzer Dauer, doch es reichte um Placebo nach oben zu spülen. Nun kann die Band auch ohne Trend bestehen. Denn sie macht gute Musik.
Sänger Brian Molko kündigte dieses (das dritte) Album als sein "wütendes" an. Davon ist aber nicht viel zu hören. Viel eher ist spürbar, daß die wilde Zeit der Musiker nun vorbei ist, und sie erwachsen geworden sind. Liebeslieder und Midtempo Songs dominieren das Album. Kleine musikalische Experimente mit Breakbeats ("Taste In Man") und Justin Warfield als Gastrapper ("Spite & Malice"), zeigen, vom Mut zu Veränderungen. Doch ansonsten klingt Black Market Music wie das geniale Vorgänger-Werk Without You I'm Nothing. Das ist o.k. so. Diesesmal, beim nächsten Mal werden sie sich aber etwas mehr einfallen lassen müssen. (nick)

Portishead
Portishead
Go Beat (539 189 2)
* * * *
 
Als 1994 "Dummy" erschien hielt die Popwelt den Atem an. Allen war klar, das soeben aus der Taufe gehobene Genre TripHop hat sein Königspaar gefunden. Geoff Barrow und Beth Gibbons, die beiden Köpfe von Portishead. Mittlerweile sind drei Jahre vergangen und dem Hype des TripHop ist eine Flut von mittelmäßigen Veröffentlichungen gefolgt, so daß man sich heute nur noch schwer erinnern kann, was die damalige Faszination ausgemacht hatte. Wäre da nicht Tricky übriggeblieben, hätte man dieses Thema wahrscheinlich schon längst zu den Akten gelegt, denn auf ein Album von Portishead wagte man schon kaum mehr zu hoffen.
Nun ist es doch noch gekommen und - trotz aller Freude - man ist enttäuscht. Und das obwohl das Album alles enthält was man von der Band aus Bristol erwartet hat. Es ist tottraurig, es ist düster wie eine verregnete Winternacht, es ist hoffnungslos schön. Aber, die Erwartungen waren zu hoch geschraubt und was dieselbe Band vor drei Jahren miterfunden und berühmt gemacht hat, nämlich höllisch schöne Tieftöner, ist heute leider schon abgeschmackt und etwas leer. Ein Opfer der profitgeilen Plattenindustrie. So kommt es, daß mit Portishead die Ära des TripHop genau abgesteckt werden kann - mit Dummy fing sein Höhenflug an und mit Portishead hört er auf. Oder?
(wukl)

Presidents Of The U.S.A.
Freaked Out And Small

Public Enemy
There's A Poison Goin On
***
Pias PIASXCD004
Vertrieb: emv
 
Von 1988 bis 1991 waren Public Enemy das heißeste Ding des HipHop. Gemeinsam mit dem Label Def Jam verbreiteten sie militante Botschaften, beschworen die Black Power und ließen keinen Zweifel an ihren Absichten, die Weltherrschaft in schwarze Hände zu übergeben. Allen voran Rapper Chuck D, Vordenker und egozentrischer Führer der Band. Dann wich der Gangsta Rap den versöhnlicheren HipHop Sounds eines Dr. Dre, und Public Enemy trudelten in die Krise. Flavor Flav, ebenfalls Rapper des Trios, verlor sich in seiner Drogenabhängigkeit und Chuck D im Größenwahn und einem Soloprojekt. Doch im Vorjahr erschien "He Got Game", ein Soundtrackalbum zu Spike Lees Film und zumindest die gleichnamige Single bewies, daß die Band aus Long Island die Zeichen der Zeit erkannt haben. Der Erfolg der Single gab PE auftrieb, und die neue Popularität geschickt nutzend erzeugte Chuck D einen riesen Medienwirbel, als das aktuelle Album der Band zuerst im Internet zum gratis Runterladen und erst einen Monat später auf CD im Handel erschien. Die Telefongesellschaften freuten sich, die komplette Plattenindustrie verfiel in helle Aufregung, und die drei Goldbehangenen Proletarier waren in den Medien präsent wie schon lange nicht und stellten sich als wahre Sozialisten dar, die sich mit der gesamten Industrie anlegen. Nun haben sich die Wogen geglättet, die Platte ist in den Geschäften und die Band schwer am verdienen.
Viel mehr gibt es über die Platte auch nicht mehr zu sagen. Außer vielleicht, daß "Do You Wanna Go Our Way ???" dort weiter macht, wo "He Got Game" aufgehört hat, Terminator Xs Deejaying auch schon vor 10 Jahren entstanden sein könnte genauso wie auch alle anderen Zutaten an diese Zeiten erinnern. Und das ist kein allzu großer Fehler. Waren das doch die besten Zeiten der Band.
(nick)

R . . . . . . R

Radiohead
Kid A

Red Hot Chili Peppers / Californication
Manche meinen die Hölle sei mit den Straßen von Los Angeles zu vergleichen. Die R.H.C.P. jedenfalls waren schon am besten Weg dorthin. Der frühzeitige Tod von Bandmitgliedern, Drogenabhängigkeit, ständig wechselnde Gitarristen,... ließen den baldigen Untergang der Band vermuten. Doch mit John Frusciante, der vor 7 Jahren der Band den Rücken kehrte, soll der Geist aus jungen Jahren, als das Quartett Beatles-like - jedoch mit nichts als nur einer penisverhüllenden Socke - die Abbey Road überquerte, wieder heraufbeschworen werden. Wenn auch das aktuelle Album nicht ganz an "Mother's Milk" ('89) und "Blood, Sugar, Sex, Magic" ('91) heranreicht, so kann es trotzdem als gelungen bezeichnet werden. Mit ihren Songs "Get On Top" oder "Right In Time" beweisen die Pfefferschoten, daß sie auf Rock'n Funk noch nicht vergessen haben. "Californication" - der Titeltrack - berichtet von der kreuzzugartigen Verbreitung und Wirkung des "Californian Way of Life" auf den Rest der Welt. Die Singleauskoppelung "Scar Tissue" (Narbengewebe) soll einen Schlußstrich hinter die turbulente Vergangenheit setzen und die Erfolgskassa wieder klingeln lassen. (heinz) * * * *

Sandy Dillon
Over The Rainbow

Silverchair
Neon Ballrom
1992 fanden drei Kids aus dem australischen Küstenstädtchen Newcastle, Rockmusik zu machen lustiger, als jeden Tag surfen zu gehen. Herauskam dabei das 1995 veröffentlichte Debütalbum "Frogstomp", das mit Lob überschüttet, und fast 3 Millionen mal verkauft wurde. Wenn dies quasi ihr Gesellenstück war so lieferten Silverchair dieser Tage ihr Meisterstück ab. Neon Ballroom erweist sich als ein überdurchschnittlich gutes Album, das in Sachen Grunge noch den einen oder anderen Schritt weiter geht als beispielsweise "My Own Prison" der amerikanischen Newcomer Creed. Der Einsatz von Streichern und Klavier läßt einem Vergleiche mit den Edelgrungern von Smashing Pumkins ziehen und unter-streicht das Bemühen des Sängers, Gitarristen und Songwriters Daniel Johns, trotz seiner erst 19 Jahre um einen sehr reifen und anders klingenden Sound. Die Songs wurden dabei so arrangiert, daß sie eine ständige Berg- und Talfahrt der Gefühle wachrufen. Krachorientierte Stücke, wie der genial brachiale Wutausbruch "Spawn Song" werden von melancholischen Titeln ("Ana’s Song", "Point Of View",...) gekonnt abgelöst. Abgeklärter Sound, sehr gutes Songwriting,...Zu dieser Band fällt einem nur das Adjektiv "EDEL" ein und die Frage: Was darf man da noch erwarten? Alex * * * * *

Slut
Lookbook

Sofa Surfers / Cargo
Das Wiener Dance Quartett schaffte 1997 mit seinem Debütalbum "Transit" und mit den beiden Singleauskopplungen "Sofa Rockers" und "The Plan" den Sprung aus dem heimischen Szeneghetto in die europäischen Tanzhallen. Euphorische Kritiken in deutschen und sogar britischen Magazinen taten ihr übriges, und die Sofa Surfers gleiteten über die Erfolgswelle. Nun steht das schwierige zweite Album ins Haus, und es zeigt sich, daß eventuelle Bedenken umsonst waren. Diese Musiker bringt nichts aus ihrer gewohnten Ruhe. Beim Vorgänger wußten die vier offensichtlich noch nicht so recht, was sie eigentlich wollten, und so ist "Transit" eine bunte Ansammlung von verschiedensten Stilen, die aus allen Richtungen zusammengetragen worden waren. Cargo dagegen wirkt ungleich reifer. Auf der Reise zum absoluten Beat sind die Surfers ein beträchtliches Stück weitergekommen, geholfen hat ihnen dabei der Dub. Dicke, wohlriechende Rauchschwaden wehen aus dem CD Player, es blubbert und hallt wie sonst nur bei Reggaeproduktionen, schläfert dabei aber nicht ein. Zu abwechslungsreich sind die Beats, zu spannend die Sounds, zu funky die Grooves. Diese Band versteht ihr Handwerk, läßt sich nicht von gängigen Trends und vergänglichen Moden vereinnahmen, sondern macht ihr ureigenes Ding. Und das macht sie gut. (nick ) * * * * *

Stahl
Los Sagwas
Im Stahlwerk herrscht Hochkonjunktur. Nach umfangreichen Vorarbeiten, Skandalen, Streitereien mit Vera und vor allem nach ausgedehnten Tourneen, ist die Zeit nun reif für den ersten Longplayer aus dem renommierten Stahlbetrieb. Los Sagwas ist wie zuvor schon die Single "Vera" bei emv erschienen und somit sollte der Silberling überall im Fachhandel erhältlich sein.
Die Fakten: 62 Minuten Spielzeit, 13 Songs, darunter der Hit "Vera" (in der etwas dreckigeren Albumversion), der heimliche Hit "Positiv", die Rammstein-Verarsche und der Konzert-Hit "Alpha-Mann" und das schönste Stück das Stahl je geschrieben haben "Regen".
Wie gewohnt finden sich ausschließlich deutsch gesungene Songs auf dem Album und da die burgenländisch-wiener Band sich noch nie auf einen Stil festlegen konnte, gibt es dementsprechend einen musikalischen Stilmix der für jeden etwas zu bieten hat. Crossover Marke Stahl. Pop-Punk-Rock mit Anleihen beim Schlager und beim Bonustrack "Tony & Andi" wird es gar Volkstümlich. Die Stahlmänner nehmen sich selber niemals ernst und so sollte man auch zu ihrer Musik stehen. Hauptsache es macht Spaß und so gesehen macht Los Sagwas auch Sinn. Stahl füllen die Lücke zwischen Alkbottle und Heinz.
(nick) * * * * *

Stephen Malkmus
Stephen Malkmus
Stranglers The
The Stranglers Live
Stereophonics
Gateway

Stereophonics
Performance and Cocktails
Gemeinsam mit Ash vertreten Stereophonics schon seit ihrem Debüt die rauhere und verspielte Seite des Britpops. Das liegt einerseits daran, daß die Sänger der beiden Bands wohl nie Gesangunterricht genossen haben, oder diesen ganz einfach versäumt haben. Andererseits aber auch an den rotzfrechen Gitarrenriffs, die völlig unbeschwert aus den Lautspechern platzen. Sieht man aber davon ein wenig ab, oder betrachtet diese Andersartigkeit als originell, so bieten die Stereophonics gute Popsongs, die einem alsbald ins Ohr gehen. Ein netter Mix aus mal punkigen, witzigen Songs, wie den Singleauskoppelungen "The Bartender And The Thief" und "Pick A Part That’s New", sowie schönen langsamen Nummern ("Just Looking" oder "I Wouldn’t Believe Your Radio"), die die zeitweilige Unbeschwertheit der Band konterkarieren. Nervt einen zu Beginn der Platte noch die Stimme von Sänger und Gitarristen Kelly Jones, so vergißt man diese mit jedem neuen Song mehr und mehr. Und am Ende fällt der Blick auf das Display des CD-Players; ungläubig starrt man auf die stillstehende Zeitanzeige, und Sekunden später drückt dein Finger wieder die Starttaste. (Alex ) * * * *

Suede / Head Music
Das nach 3jähriger Pause erschiene Album ist das 4. Studioalbum der Fürsten des Glam-Pop, die 1993 für viele der Grund waren, sich wieder ihre Haare regelmäßig zu waschen und sämtliche Holzfällerhemden in den Kleiderschrank zurückzupacken. Setzten sie doch mit ihrem glamourös-androgynem Auftreten einen ziemlich extremen Kontrast zu den damals angesagten Seattle-Bands. Heute sind sie damit mit Bands wie Placebo und Marylin Manson in bester Gesellschaft. Als Produzent holte sich Sänger Brett Anderson diesmal Steve Osborne, der schon für den Sound der Happy Mondays verantwortlich war und auch für Suede, zumindest bei ein paar Nummern, den Drum-Computer anwarf. Bemerkenswert sind vor allem der zweite Track, "Savoir Faire", von Anderson selbst als Album-Schlüssellied bezeichnet, die beinahe tanzbare Single "Electricity" und das wunderbar-sperrig klingende "Asbestos". Auch für die seit "Dog Man Star" (1994) typischen schwülstigen und überladenen Balladen ist genügend gesorgt.
Ungefähr genau so hat man sich Suede anno 1999 vorgestellt. Anderson: "Wir wollten der musikalischen Zeit nicht hinterherhinken, uns aber auch keinen drauf runterholen, was für freakige Sachen wir machen." Keine Überraschungen also, aber auch keine Enttäuschung. (Peter) * * * * *

 

Tom Petty And The Heartbreakers
Echo

Tom Petty hat's nicht leicht. Seine Langzeitpartnerin hat ihn verlassen, und das bricht dem gestandenen Rocker das Herz. Doch zum Glück hat der sensible Blonde ja noch seine Kombo mit dem passenden Namen, mit welcher ihn seit den frühen Siebzigern eine erfolgreiche Allianz verbindet. Trotz 8jähriger Pause und des Liebeskummers hat sich auf musikalischer Ebene nichts geändert. Trefflich Jammern konnte der heute 49jährige Tommy früher auch schon, und wie eh und läßt ihm die Heartbreaker Band dazu sowieso nur bedingt Zeit. Im Stil einer klassischen Rock'n'Roll Band (als modernsten Einfluß könnte man die frühen Rolling Stones anführen) rockt und vor allem rollt der rifflastige R&B unter der Führung von Gründungsmitglied Mike Campbell mächtig. Und bei Track 6 "Accused Of Love" schunkelt unser Hauptprotagonist schon wieder fröhlich mit, um aber beim nächsten Song, dem Titelstück, doch wieder resigniert festzustellen "It's the same sad echo every day". Wie gesagt, alles beim Alten.
Am Produzentensessel half, wie schon bei Pettys 94er Soloalbum "Wildflowers", Rick Rubin aus, was sich erneut bewährt hat. Echo wirkt sehr naturbelassen, was sowieso besser zur Band paßt - als ihr von Jeff Lynn überproduziertes "Into The Great Wide Open" Album - und gerade in der heutigen Elektromusik-Zeit wohltuend kracht und scheppert. (nick) * * * *

Tosca
Suzuki In Dub
U2
All That You Can't Leave Behind
 

W . . . . . . W

Wax Poetic
Wax Poetic
* * * *
Holen sie Ihre Flossen heraus, setzten sie sich Ihre Taucherbrille auf und tauchen sie ein in die Welt von Ilhan Ersahin. Der Mann lebt in New York, wurde aber in Stockholm geboren und ist der Sohn einer Schwedin und eines Türken. Dementsprechend vielfältig sind die Einflüsse die er unter eine Badehaube zu bringen versucht. Und dank seiner Mitmusiker kommen noch ein paar dazu. Da ist etwa die Ägypterin DJ Mutamssik an den Turntables, die für arabische Akzente sorgt und der Drummer Kenny Wlleson der auch schon bei so Größen wie Tom Waits und Bill Frisell den Takt angeben durfte. Die weiteren Musiker sind so wie Ersahin auch, erfahrene Jazzer und dementsprechend solide ist das Grundgerüst auf dem Wax Poetic experimentieren. TripHop, Jazz und vielfältige Worldmusic Samples fließen ineinander und ergeben einen bunten Kulturmix. Vergleichbar etwa mit St. Germain, nur relaxter. (nick)

Wilco / Summer Teeth
Wilco ist das Quartett um den Gitarristen und Sänger Jeff Tweedy und den Multiinstrumentalisten Jay Bennent, welches im Vorjahr mit seiner Vertonung von Songs aus dem Nachlaß des amerikanischen Folkhelden Woody Guthrie, für Furore sorgte. Dieses grandiose Projekt ("Mermaid Avenue") verwirklichten Wilco zusammen mit dem britischen Sänger Billy Bragg, der heute noch in höchsten Tönen vom musikalischen Kopf der Band schwärmt: "Jay Bennet ist der vollkommenste Musiker, mit dem ich je gearbeitet habe" (Rolling Stone, April '99).
Summer Teeth ist nun wieder 100 Prozent Wilco, alle Songs wurden von der Band geschrieben, komponiert und produziert. Mit leichter Hand fertigte die Chicagoer Band simpel anmutende Lieder, deren Größe sich erst beim genaueren Hinhören offenbart. Zum Beispiel wenn "Pieholden Suite", ein Stück über die Vergänglichkeit der Liebe ("In the beginning we closed our eyes whenever we kissed"), plötzlich in einen Trauermarsch übergeht. Der Höhepunkt ist allerdings "Via Chicago", eine wunderschön instrumentierte Liebeserklärung an diese Stadt.
Mit ihrem nunmehr vierten Album erreicht die Band einen erneuten Höhepunkt (was auch R.E.M. aufgefallen ist, die sich bei ihrer kommenden Stadion-Tournee von Wilco unterstützen lassen) und hat sich somit einem Fixplatz in der Nische zwischen Alternativ- und Countryrock gesichert. Ungefähr dort, wo Bands wie Eels, Ween und Marcy Playground zu finden sind. (nick) * * * * *

Wu-Syndicate / Wu-Syndicate
Wo Wu draufsteht ist auch Wu drinnen. So auch beim neusten Output des Clans. Myalansky, Joe Mafia und Napoleon waren in ihrer Heimat Virgina in HipHop Kreisen bisher unter dem Namen Crime Syndicate bekannt, nun wich das Crime dem Wu-Markenzeichen und die Drei feiern ihr Debüt mit einem Album das mit dem aktuellen Trend "HipHop goes Pop" wenig am Hut hat. Vielmehr besinnen sie sich der alten Werte und rappen zu fetten Beats, welche allerdings mit Streichern unterlegt werden. Als Produzent zeichnet RZA verantwortlich, da kann ja eigentlich nichts mehr passieren. Tut es auch nicht, auch wenn manche Stücke etwas nach abgeschmacktem Gangsta Rap klingen und die Pussy Klischees, wie so oft, überstrapaziert werden. Alles in allem ist Wu-Syndicate o.k. (nick) * * *

Wu-Tang Clan
The W
X - Coloured / Phunkeephied Soulution
"Feel Like Mr. James" heißt der erste Song am Album des österreichischen Projekts X Coloured, gemeint ist Mr. Brown und der Vergleich mit dem Godfather mag anmaßend klingen, ist es aber ganz und gar nicht. Das in Wien lebende Sextett groovt sich relaxed im 70er Funkstil durch 14 Songs seines Albums. Hervorragende Instrumentalisten haben sich da zusammengefunden, die auf unnötige Ösen und Haken verzichten, alles fließt und die sparsam eingesetzten Raps geben dem Werk den zeitgemäßen, souligen Touch. Ein bißchen Disco, etwas HipHop, viel Funk und viel Gefühl ergeben eine Mixdur die Lust auf Tanzen macht und die jedem internationalen Vergleich standhält.
Leider ist weder dem Album noch der Info der Plattenfirma zu entnehmen, wer da so lässige Musik macht. Das ist schade und auch verwunderlich, denn unbeschriebene Blätter können diese Musiker nicht sein. Zu gut sind sie aufeinander abgestimmt, zu unbemüht und zu weise kommen die Songs daher, um von Neulingen gespielt zu sein. Wie auch immer, die Promotionarbeit ist halt schlecht, die Platte aber ist äußerst gut. (nick) * * * * *
Zabine
Transalpin