|
Reviews A bis H
Von Klaus "Nick" Wukovits, Bettina "bettre"
Treiber, Alex Kornfeld, Heinz Fabsics, Petter Pürrer und Roman Buchta
Viele der Besprechungen erschienen im
Concerto Magazin,
die meisten anderen in der
FARGO
Times.
|
|
| Die
Kritiken sind alphabetisch, nach dem korrekten Wortlaut des Künstlernamens
geordnet (nicht nach Nachnamen - d.h: Candy Dulfer ist unter C und
nicht unter D zu finden. Zum Suchen eines bestimmten Namens kannst
Du auch die Tastenkombination "Strg" und "F" drücken. |
|
|
Absolute Beginner
Bambule
Als die Beginner 1992 begannen war das Durchschnittsalter der Band 16
Jahre. Demnach waren die Hamburger 1996, beim Erscheinen ihres Debüts
"Flashnizm (Stylopath)", um die 20. Die Platte bekam beste Kritiken, vom
Spex sogar den Titel "bestes HipHop Album mit deutschen Raps ever...".
Nun, die drei liegen bei 23 Jahren, erscheint Bambule und diesmal scheint
auch die breite Masse auf sie aufmerksam zu werden. "Liebes Lied" jedenfalls
plätschert sich langsam aber sicher zum Hit, "Geht was" und "Mikro
in der Hand" haben ebenfalls Hitpotential. Die Zeit ist reif für
die Beginner.
Die Beats der drei blubbern eher nur so dahin, zwecks Feeling greifen
sie gerne auf Reggae zurück, nichts was besonders innovativ wäre.
Die Stärke der Beginner liegt bei den Raps. Es ist bemerkenswert,
wie die drei mit der deutschen Sprache umgehen, wie diese auf einmal überhaupt
nicht sperrig ist. Sozialkritisch, witzig (wirklich witzig, nicht so peinlich
wie Fettes Brot zuletzt), schlitzohrig und beachtlich schnell rollen die
Reime. Beispiel aus "Geh bitte" gefällig:
"Deine Raps mach ich mit’m Po auf’m Klo
durch die Spülung hat das Ganze immer noch mehr Flow
Sowieso, denn deiner steht still, wie auf’m Abschlußfoto
Du bist für gute Musik, wie für die Beatles Yoko".
Hoho, das kann man von dem Hamburger Trio nicht behaupten. Immer locker
vom Hocker, ich mag sie. Die ersten DeutschHopper die an Fanta 4 herankommen.
Schlechtere Beats, dafür bessere Reime. (nick) * * * *
|
|
Amen
We Have Come For Your Parents
* * *
(bettre)
|
|
ASH
1977 (emv 9880866825)
Drei Bürschchen, keiner älter als zwanzig. Ausgehend von ihrer
Heimat Nordirland fanden sie sich schon mit ihrer dritten Single auf Platz
drei der britischen Charts und wie es scheint erobern sie demnächst
den Rest der Welt. Im Stile von Terrorvision mischen sie Punk mit Brit-Pop
und haben dabei jede Menge Spaß. Verzerrte Gitarren, föhliche
Melodien und gegebenenfalls auch Fette Streicher-Sätze aus dem Computer,
hauptsache es geht die Post ab. Jetzt ist es fix, die öde Generation
X ist endlich abgedankt. Oder hat sich selbst dahingerafft.
|
The
Base
Ducks And Diners |
|
Base The
The End Of The 20th Century Depression
Norbert Wally und seine beiden Gefährten unterstreichen auch mit
ihrer zweiten CD ihren Ausnahmestatus. Gleich mit dem Opener ist klar,
daß das Grazer Trio nichts von seinen Qualitäten verloren hat.
"One More Mind Gone" startet mit einem Riff wie es jungen Britpoppern
gut zu Gesicht stehen würde und wechselt dann abrupt die Stimmung,
plötzlich wird es düster. Faith No More goes Blur. "Empty Like
MTV" ist ein fetziger Kracher, "Hi Hell" könnte genauso gut von den
Tindersticks stammen und der folgende Titelsong ist The Base pur. Norbert
mit Gänsehautstimme, eine midtempo Nummer mit großem Finale
krönt und beschließt aber auch das Werk.
Womit wir beim Problem der CD sind - vier Songs sind eindeutige zuwenig.
Die Welt braucht von The Base nicht knapp 15 sondern 75 Minuten, mindestens.
|
|
Beck
Mutations
Beck Hansen ist die Hoffnung der Rockmusik. Er ist ein genialer Songwriter,
er ist ein Suchender, konfrontiert sich und seine Hörer immer wieder
mit neuem. Und er ist doch auch verbunden mit seinen Wurzeln - dem Folk.
Diesem hat er sich nun voll zugewandt, keine Gimmicks diesmal, keine Samples,
keinen HipHop. Just pur music. Die ist zwar wieder meisterlich, doch wäre
mir ein derart abenteuerliches Projekt wie das Vorgängeralbum "Odelay"
lieber gewesen. (wukl) * * *
|
|
Belle & Sebastian
Tigermilk
Die fast schon hoffnungslose Suche und das lange Warten hat nun endlich
ein Ende. Bei diesem Album handelt es sich nämlich nicht um eine
Neu-Produktion, "Tigermilk" ist die mysteriöse Debütplatte der
Schottischen Gitarrenband "Belle & Sebastian", um die in Insider-Kreisen
eine Menge Gerüchte kursieren. Tatsache ist, daß das Album
als Abschlußarbeit eines Schulprojekts von Band-Frontman Stuart
Murdoch im Jahr 1996 entstand und vorerst auf 1000 Vinyl-Stück limitiert
erschien. Seine Mitmusiker dafür suchten sich Murdoch und Isabelle
Campbell eher zufällig in einem Kaffee in Glasgow an einem Tag zusammen.
Nach dem Erfolg der beiden Folgealben "If You’re Feeling Sinister" (1997)
und "The Boy With The Arab Strap" (1998) und einigen EP’s wurde "Tigermilk"
zum begehrten Sammlerstück, für das man schon einige Tausend
Schilling hinlegen mußte. Um diesen Schwarzmarkt zu unterbinden,
entschlossen sich Band und Plattenfirma Jeepster zur Wieder-Veröffentlichung.
Unser Glück, denn es wäre wohl einem Verbrechen gleichgekommen,
diese Musik der Öffentlichkeit vorzuenthalten. 10 für B&S
ungewohnt flotte, rockige Songs, die mit ihrer Melancholie The Smiths
und Nick Drake vereinen zu scheinen, dabei jedoch nie hoffnungslos oder
schwermütig wirken. Und davon kann man heute wohl nicht genug kriegen.
"Do something pretty while you can, don’t fall asleep, skating a pirouette
on ice is cool (...)". Danke. Das wußten wir auch noch nicht.
(Peter) * * * * * *
|
|
Ben Folds Five / The Unauthorized
Biography Of Reinhold Messner
Die Band stammt aus Norh Carolina, keines der Mitglieder klettert auf
Berge und würde sich auch nur ein bißchen für solche Menschen
die das tun, interessieren. Weder Sauerstoffarme Besteigungen, noch Begegnungen
mit haarigen Schneemenschen sind ihnen ein Begriff, noch weniger natürlich
der lispelnde Protagonist dieser und vieler anderer Abenteuer. Warum schreiben
sie dann seine Biographie? Reiner Zufall. Zur ihrer Schulzeit verwendeten
sie diesen Namen, den sie für einen Phantasienamen hielten, für
ihre gefälschten Identitätsausweise. "We liked it, because it
had an exotic ring;...". Nun weiß Ben Fold um Messner und seine
Taten und dankt ihm im Booklet für die kostenlose Überlassung
des Markennamens: "Thanks to Reinhold Messner for being a hero, and now
a good sport".
So eigenartig wie der Titel, ist auch die Musik des 2. Albums der Band.
Schon der 1. Song läßt ahnen, daß da etwas beunruhigend
anders ist als sonst. "Narcolepsy" klingt wie ein Stück aus einem
Andrew Lloyd Webber Musical, gespielt von einem vollkommen bekifften Orchester.
Ähnlich "Don't Change Your Plans". Taumelnde Streicher, ein schunkelndes
Piano, Ben Fold singt dazu mit einer Stimme, die an Chris De Burgh erinnert.
Weder schreckt er vor einem ausgedehnten "La, la, laa" ("Magie") zurück,
noch vor einem satten Blasorchester ("Army"). Und was allen Songs gleicht,
es gibt keine Gitarren. Ben Folds Five ist ein Trio(!) das Klavier, Schlagzeug
und Baß spielt und so automatisch schon anders klingt als andere
Rockbands. Schönes Songwriting, skurril-traurige Geschichten, ein
gutes und eigentümliches Werk, das die drei Südstaatler da ablieferten
und das absolut empfehlenswert ist. (nick) * * * * *
|
|
Bill
Evans / Touch
"Alle Musiker, die bei Touch mitgewirkt haben, sind gute Freunde von mir,
das macht das Ganze sehr einfach. Roney Wallace wohnt in der Nähe
von mir, Lee Ritenour war in den letzten 10 Jahren schon oft zu Gast bei
mir, den brauch ich nur anzurufen, Victor Bailey ein Kumpel von mir."
Bill Evans rief also seine Freunde an, ging mit ihnen ins Studio und präsentiert
nun ein Album, das - im Gegensatz zu Bill's letzten drei Solowerken -
mit HipHop nichts mehr am Hut hat. Zeitlose Melodien und Songs wollte
der Saxpophonmeister komponieren, und so kommt es, daß sich auf
Touch auch einige wirklich schöne Melodien finden, alles in allem
sich aber etwas zuviel Gemütlichkeit breitmacht. Etwas mehr Funk
hätte dem Album gutgetan. (nick) * * *
|
|
Björk
Homogenic
Polygram (31453 917 82)
* * * * *
Schon beinahe inflationär ist die Bezeichnung Eisprinzessin für
das isländische Wunderkind Björk Gudmundsdottir. Und doch paßt
keine Beschreibung besser auf sie und ihre Musik als diese. Fantastische
Soundgebilde türmen sich wie Eisberge auf, und über ihnen schwebt,
feengleich, Björks märchenhafter Gesang. Homogenic ist kein
Album zum nebenbei hören. Homogenic ist ein Album das die ganze Aufmerksamkeit
des Hörers auf sich zieht, daß man hört und alles rundherum
vergißt. Oder, das wäre auch möglich, daß man schon
nach dem ersten Song abdreht. Geschmäcker sind verschieden, und Björks
Musik ist nicht für jedermann ein Genuß. Das war sie aber nie,
und wer die Vorgänger liebte (Debut, Post und Telegram) wird auch
Homogenic lieben.
Angefangen von "Hunter" welches etwas an ihren Hit "Human Behaviour" erinnert,
bis zu "All Is Full Of Love", ein Duett von Björk mit Björk,
das den wunderbaren Abschluß und einen Höhepunkt des Albums
bedeutet. Inzwischen liegt die ganze Bandbreite von Björks Galaxie.
Drum´n´Bass, TripHop, prominente DJs (Howie B, Mike Bell), Balladen und
Techno und nicht zuletzt das Icelandic String Octet.
(wukl)
|
|
Black Crows
Three Snakes And One Charm (BMG Ariola 4321384842)
"Amorica", das 94er Werk der Crowes war ein gewaltiges Rock-Ereignis,
das die gesamte Branche zutiefst beeindruckte. Die Band selbst offensichtlich
auch, so daß der Nachfolger zur Kopie geriet. Southern-Rock, Slidegitarren,
schwere 60er-Rock-Anleihen (Sly Stone und Freunde lassen grüßen)
und die rauhe Stimme von Sänger Chris Robinsons prägen den Sound
der Band aus Atlanta. Sind The Black Crowes in Sachen Retro-Rock nach
wie vor stilprägend, so mußten sie gegenüber ihrem letzten
Album eben doch Federn lassen. Gezungenermaßen vielleicht. Wuchtig
und gut ist Three Snakes And One Charm aber noch allemal, und für
gestandene Rocker selbstverständlich ein Pflichtkauf.
(wukl) * * * *
|
|
Blondie
No Exit
Im Herbst '98 wurden die Gerüchte lauter, daß Deborah Harry
ihre ehemalige Band Blondie wiederbeleben möchte und daß die
Truppe im Studio an einer neuen Platte arbeitet. Aha, also eine weitere
Band, die im Zuge des 80er Rivivals noch einmal schnelle Kohle machen
will. Sind Culture Club, Human League und wie diese Peinlichkeiten alle
heißen nicht schon genug? Wobei im Gegensatz zu allen anderen Ausgrabungen
Blondie, die sich nach bandinternen Streitigkeiten 1982 getrennt hatten,
nie ganz vergessen waren. "Heart Of Glas", "Sunday Girl", "The Tide Is
High", oder "Denis" fehlen nach wie vor auf keiner anständigen Party.
Zu recht. Und ich gebe an dieser Stelle auch gerne zu, daß anno
1978 meine Traumfrau Deborah Harry aufs Haar geglichen hat. Bekanntlich
rostet ja alte Liebe nicht, doch einer Blondie-Wiedervereinigung stand
ich sehr skeptisch gegenüber.
Und jetzt das. Von 0 auf Platz 1 in den britischen Charts. Wie immer waren
die Engländer schneller als der Rest Europas, doch der zieht soeben
nach. Man faßt es nicht, auch Ö3 spielt Blondies erste Single
"Maria" auf Powerplay (in den letzten 5 Jahren könnte ich mich nicht
erinnern, jemals einen Blondie-Song gehört zu haben. Doch das ist
eine andere Geschichte), ein sensationelles Comeback der 53jährigen
Sängerin und ihrer Band zeichnet sich ab.
Wobei "Exit" um Klassen besser ist als befürchtet, richtig gut ist
das Album aber nicht. Deborah Harry ist nach wie vor gut bei Stimme, die
Songs die wieder zum größten Teil aus der Feder von Chris Stein
stammen sind "catchy", gehen ins Ohr, sind aber doch recht seicht. Einzig
das eingängige "Maria", das lässig dahinrollende "Happy Dog"
und die zwei besten Songs des Albums "The Dream's Lost On Me" und "Divine"
erinnern an alte Qualitäten.
Bei dem swingenden "Boom Boom In The Zoom Room" erinnert Deborah sich
an die letzten Jahre, die sie mit den Jazz Passengers verbracht hat (meines
Wissens war sie mit dieser Formation 2 mal in Österreich), "Dig Up
The Conje" ist Afro beeinflußt und "Sreaming Skin" ist ein Ska in
"The Tide Is High" Manier.
Wirklich peinlich ist der Titelsong "No Exit" mit Gangsta Coolio und auch
"Double Take" mit Sax-Lady Candy Dulfer ist zu vergessen.
Macht alles in allen ein paar gute, ein paar mittelmäßige und
ein paar schlechte Songs. Macht bei der Punktvergabe, plus einem Sympathie
Bonus (nick) * * * *
|
|
Blur
13
Das Rennen um die Krone des Britpops ist entschieden. Blur überlassen
Oasis kampflos den Thron und wenden sich anderen, wichtigeren Dingen zu.
In ihrem zehnjährigen Bestandsjubiläum legen sie mit 13 ihr
sechstes, reifstes und bestes Album vor. Damon Albarn und seine drei Kollegen
haben gewagt und gewonnen. Sie sagten ihrem Langzeitproduzenten Stephen
Street Lebewohl und holten mit William Orbit einen Soundtüftler (berühmt
durch Madonnas Ray Of Light Meisterwerk) ins Studio, der das Quartett
zu neuen, experimentellen Gefilden entführte.
13 ist ein Konzeptalbum, das mit dem 7minütigen Geniestreich "Tender"
eröffnet wird, sich schon beim nächsten Song, "Bugman", in chaotischem
Zahnarztbohrergepfeife verliert und mit dem folgenden "Coffee & TV"
das Chaos wieder auflöst. "Swamp Song" ist ein flehender, psychedeliclastiger
Pop, "1992" wieder ruhiger. Und da haben wir erst 5 der 13 Songs hinter
uns. 13 verlangt in einem Guß gehört zu werden, Blur und Orbit
nehmen den wohlwollenden Hörer bei der Hand, entführen ihn zu
zerbrochenen Liebschaften (Damons Trennung von Elasticas Justin Frischmann
hinterließ eindeutig ihre Spuren), lassen ihn in Williams Sound-Orbit
herumirren, ziehen ihn wieder aus dem Sumpf und lassen ihn verwirrt aber
auch verzaubert zurück. Was bleibt dem so durch die Mangel gedrehten
Hörer anderes übrig als noch einmal von vorn zu beginnen. Und
noch einmal, und noch einmal. (nick) * * * * *
|
BS
2000
Simply Mortified |
|
Busta Rhymes
Extingtion Level Event
Der Chaot der HipHop Szene präsentiert sein neues Album. Man legt
es auf, wartet, nichts passiert, weder explodiert der CD Player noch verabschieden
sich die Lautsprecher. Dafür verspricht er uns, einem Schreckens-Prediger
gleich, den Weltuntergang mit allem was dazugehört. Nuklearer Holocaust,
blutrünstige Cyborgs werden unsere Erde in einen Feuerball aus Tod
und Zerstörung verwandeln. Wann? Na wann schon, der Titel dieser
gesprochenen Vision raubt uns die letzte Hoffnung - "There Is Only One
Year Left".
Der New Yorker Rapper ist einer der kreativsten der Ostszene. Seit seinem
Debüt 1990 hantelt, kriecht und zappelt er beständig die Erfolgsleiter
nach oben.
Um an deren Spitze noch länger bleiben zu können, sucht sich
der Mann mit dem großen Maul illustre Partner. Für die eher
sanftmütige Fangruppe tritt er mit Black Queen Janet Jackson vors
Mikro, raus kommt aber ein Langeweiler. Dafür ist das Duett für
die Hardcore-Fraktion eine Sensation. Ähnlich wie Puff Daddy, der
sich bei seinem Godzillasong "Come With Me" eines Led Zeppelin Klassikers
annahm und sich dabei von Jimmy Page unterstützen ließ, covert
Busta Rhymes einen Hit von Black Sabbath - "This Means War" - und holt
sich für den Refrain deren Sänger. Ozzy Osbourne und Busta Rhymes,
wer zwischen die beiden gerät fühlt sich wie im Zentrum eines
Tornados. E.L.E. hat seine Längen, wirkt manchmal etwas aufgesetzt
und ist nicht immer so originell wie Busta uns glauben machen will, aber
"This Means War" ist ein Knüller.
Wenn schon die letzten 365 Tage unseres Planeten angebrochen sind, dann
haben wir wenigstens noch ein bißchen Freude daran. (nick) * * *
*
|
Café
Duo
Double Blend |
|
Candy Dulfer
For The Love Of You
*
BMG 74321 468622
Da haben wir den Salat. Einst wurde die süße Candy von uns
allen zum neuen Saxophonstar hochgejubelt, sie hatte alle wichtigen Attribute
aufzuweisen und sogar noch mehr. Denn endlich konnten wir uns dem Wortspiel
Sax/Sex lustvoll hingeben. Funky war sie, jazzy und eben sa(e)xy. Super.
Alles vorbei. Am neuen Cover zeigt die Holländerin sich nicht mehr
so leicht bekleidet wie auf den Vorgängern, nun präsentiert
sie sich wie ein braves Pop-Sternchen. Sie meinen das Cover sollte uns
wurscht sein, sollte es auch, aber es gibt noch allemal mehr her als die
Musik, die es verhüllt. Faserschmeichler-Jazz der mit allzuviel Weichspüler
behandelt wurde, abgestimmt, wie mir scheint, auf Whitney Houston Fans.
Funky Stuff für den Einkaufsbummel.
Was besonders weh tut, Candy läßt ihr großes Können
immer wieder aufblitzen, doch immer wenn man meint, jetzt geht’s los,
wird die Bremse angezogen, der Hobel angesetzt, oder was weiß ich
was alles getan wird, um nur ja keine Freude aufkommen zu lassen. Was
bleibt, ist zu hoffen, daß sie wenigstens live mehr Feuer entwickelt,
oder man zieht sich gleich ihren Herren Papa rein. Der alte Hans ist zwar
bei weitem nicht so hübsch, aber "Sax" hat er wenigstens. (wukl)
|
|
Cardigans The
Gran Turismo
Der Film "Romeo Und Julia" und der 1996 angesagte Easy Listening Trend
halfen den fünf Schweden auf die Sprünge. Über den Film
schaffte es die Single Lovefull in die Charts und das Album "First Band
On The Moon" folgte als astreines Easy Listening Produkt. Nicht zu verachten
ist natürlich auch der Anteil von Cardigans Frontfrau Nina Persson,
die man getrost als eine der hübschesten Frauen der Popmusik bezeichnen
kann. Nun haben sie und ihre vier männlichen Kollegen die Schwermut
entdeckt. Was schade ist. Vorbei mit den zuckersüßen Popsongs,
stattdessen findet man auf Gran Turismo Langweiler zuhauf. Da helfen auch
die härteren Töne, die die Cardigans diesmal anschlagen, nichts.
Die aktuelle Hitsingle "My Favorite Game" ist eine kleine Ausnahme, doch
Songs dieser Qualität findet man nur wenige auf diesem Album. (wukl)
* * *
|
|
Catatonia - International Velvet
Nachdem das Debüt der walisischen Band "Way Beyond Blue" (1995) von
der breiten Öffentlichkeit eher unbemerkt blieb, wird "International
Velvet" nun auch auf MTV gespielt. In einem engen, rauchigen Lokal auf
fast ebenerdiger Bühne singt sich eine blonde Cerys Matthews die
Stimme aus dem Leib. Mit "Mulder And Scully" ist der Band ein Ohrwurm
gelungen, sie stehen vor dem Durchbruch und nehmen die beiden TopAgenten
der "ungelösten Fälle" ohne die das FBI armselig darstehen
würde kräftig auf die Schaufel.
Prägend für Catatonia ist die Stimme; Björk erinnert sich
an Zeiten vor Drum'n'Bass, kurz sieht die verletztabgeklärte PJ
Harvey vorbei. Dazu kommen Melodien, die gleich zum Mitsingen animieren,
schön dann wieder aggressiv, breite Gitarrenarrangements aber auch
knarrige Passagen, trockenes Schlagzeug, manchmal fast zu liebliche Backing
Vocals.
"I am the mob" und "Road Rage" wütend verhaltene Verzweiflung wunderbar
in einem Popsong gebannt sind neben "Mulder And Scully" die Reißer
des Albums. Doch auch an den Rand des SchlagerKitches wird sich herangewagt:
"Johnny Come Lately" zeigt Ironie pur. "Deffwch Cymry cysglyd gwlad y
gân". Nein, das sind keine Tippfehler. Catatonia danken ihrem Lord,
daß sie Welsh sind. Und singen die Strophen des Titelsongs in ihrer
Muttersprache. Oder vielleicht sind sie doch nur ein wenig fernsehgeschädigt
"I'll be your Baba Papa"?
Alles in allem: Sehr britische Popperlen und emotionale Punksongs mit
passendem Pathos, dazu schnoddrige Texte mit Kraft. * * * * (bettre)
|
|
Catatonia
/ Equally Cursed And Blessed
Nun, in der Post Britpop Phase hat man in England seine Liebe zu einfach
schönen Popsongs wiederentdeckt, wie die jüngsten Erfolge von
Robbie Wiliams und den Manic Street Preachers eindringlich beweisen. Wer's
auf der Insel etwas anspruchsvoller will, dem gefallen halt Radiohead
und Belle & Sebastian. Und wer weder noch will, der hat Catatonia.
Cerys Matthews ist Gesicht und Stimme dieser Waliser Band, die nun, nachdem
ihr letztes Album "International Velvet" und der Singlehit "Mulder And
Scully" auf der gesamten Insel zu Bestsellern wurden, den Rest der Welt
erobern möchte. Doch die Sache hat einen Haken, Cerys als skandalträchtiges
Aushängeschild mit Hang zu schwerem Alkoholkonsum (was auch ihrer
brüchigen Stimme anzuhören ist) sorgt zwar mehr denn je für
Schlagzeilen, allein, die Qualität der Musik fehlt diesmal. Manchmal.
Manchmal ist sie hochklassig, wie bei "Dead From The Waist Down" etwa.
Der Song kann alles. Radiohead meets Marianne Faithfull. In eine ähnlich
Kerbe schlägt "Shoot The Messenger". Doch allzuviele Lieder sind
einfach nur Platzfüller, haben nichts, was sie hörenswert machen
würde. "Storm The Palace" zum Beispiel bezieht sich nicht nur im
Text an vergangene, anarchische Punkzeiten, sondern versucht sich auch
im Stil an The Clash. Und scheitert kläglich. So hinterläßt
die Platte den Hörer im Zwiespalt. Als Lösung schlage ich vor,
mittels Programmtaste alle schlechten Langeweiler zu verbannen und sich
dafür den Rest zweimal anzuhören. Je nach Geschmack bleiben
dann 5 oder 6 Songs. Wie das die Catatonia Fans in England handhaben,
weiß ich nicht, dort jedenfalls belegte das Album wochenlang Platz
Eins. (nick) * * *
|
|
Chemical
Brothers (The)
Surrender
Endlich werden die seit den 80er Jahren beinahe in Vergessenheit geratenen
und mittlerweile von einer Staubschicht überzogenen Roboter-Maschinen
aus den Rumpelkammern geholt und zu neuem Leben erweckt. Nein, nicht von
Kraftwerk ist hier die Rede, sondern die Chemical Brothers zollen mit
Track 1 ihres neuen Albums "Surrender" den Elektropop-Vorreitern der 80er
Jahre ihren verdienten Tribut. Nun, die "Block Rockin' Beats" scheinen
vorbei zu sein, statt dessen macht sich feiner Elektronik-Pop breit. Für
die spannende Abwechslung sorgen faszinierende Geräusche, die einem
abwechselnd von links und rechts um die Ohren fegen, alles vergessen und
in andere Galaxien eintauchen lassen. Ja der Sound ist teilweise dermaßen
dicht, daß sich sogar meine schon etwas veralteten Kopfhörer
merkbar überfordert fühlen.
Weniger beeindrucken die Chemical Brothers, wenn sie sich bekannte Namen
aus der Rockbranche zur Unterstützung holen. Eine Unterstützung,
die sie keinesfalls notwendig hätten. "Let Forever Be", gesungen
von Noel Gallagher, nervt schon beim erstmaligen hören und klingt
wie eine remixte Oasis-Nummer. An die Qualitäten des alten Chemical
Brothers / Gallagher Hits "Settin Sun", kommt der Song bei weitem nicht
heran.
"Asleep From Day" (Hope Sandoval/Mazzy Star) und "Dream On" (Jonathan
Donahue/Mercury Rev) sind zwar schöne Songs, passen aber irgendwie
nicht auf das Album. Dafür entschädigen jedoch die genialen
8 Minuten-Instrumental-Tracks, mit deren Hilfe so manche chemische Reaktion
ohne komplizierte Formeln erklärbar wäre. (peter) * * * * *
|
|
Christoph
& Lollo
Mehr Schispringerlieder
|
Coldplay
Parachutes |
CRANBERRIES The
To The Faithful Departed |
|
Creed
My own prison
Neu, ist die Band. Nicht ganz so neu hingegen der Sound. Grunge wie wir
ihn kennen und lieben. Alles irgendwie schon einmal dagewesen. Wir erinnern
uns: Nirvana, Pearl Jam, Candlebox,...usw.. Seattle war damals das Mekka
dieser Szene. Creed hingegen kommen aus Florida und wollen nicht nur aus
diesem Grund ein bißchen anders sein. Nicht die Musik sondern die
Texte sollen den kleinen Unterschied machen. Und siehe da, bei genauerem
Studium derselben stößt man auf sehr religiöse Inhalte
(creed [kri:d] = Glaubensbekenntnis), die aber nicht von störenden
Einfluß sind, da das Gesungene ohnehin nur sehr schwer zu verstehen
ist.
Die Texte sind aber auch schon der einzige Unterschied zum Seattle-Grunge.
Sonst blieb alles beim Alten. Reißende Gitarren, eindringlich theatralischer
Gesang und das alles bitte möglichst laut. Creed haben gut aufgepaßt
und zelebrieren auf sehr würdige und reife Art was im Nordosten der
Vereinigten Staaten einst seinen Ausgang nahm. Der Opener "Torn" und der
Titeltrack "My Own Prison" glänzen durch "gesunde" Härte. Die
europäische Singleauskoppelung "What’s This Life For","Pity For A
Dime" oder mein persönlicher Favorit "One" zeigen, daß diese
Stilrichtung auch mit ruhigeren, einfühlsamen Klängen aufwarten
kann.
Den Grunge haben die vier US-Boys mit ihrem Debutalbum zwar nicht neu
erfunden, dafür aber aufgezeigt das diese totgeglaubte Stilrichtung
noch immer kräftige Lebenszeichen von sich geben kann. Amen. (Alex)
* * * * *
|
|
Crunk
TH&
* * * *
Klonk Records
Vertrieb: Eigenvertrieb - http//www.crunk-music.com
oder: klonk@crunk-music.com
Trotz ihres Namens, die Burschen aus Eisenstadt erfreuen sich bester Gesundheit.
Wenn es wo krankt, dann daran, daß diese Band sträflich unbekannt
ist. Doch das wird sich hoffentlich ändern. Mit einem originellen
Stilmix zwischen Grunge, Folk und Reggae haben wir mit Crunk eine weitere
burgenländische Band, die das Zeug zu größeren Weihen
hätte. Gute Songs, ansprechend instrumentiert, woran es noch "krankt",
ist die Tonqualität der Aufnahmen. Doch das hinzukriegen ist vor
allem eine Geldfrage. Da Crunk bis dato auch noch keinen Vertrieb gefunden
haben, vertreiben die Burschen ihre Scheibe kurzerhand selbst. Jeder mit
Internetzugang kann sich auch gleich Soundbespiele von der ausgezeichneten
Homepage runterladen und natürlich auch gleich bestellen. Damit beweisen
die Burschen, daß nicht nur ihre Musik sondern auch ihr Geschäftssinn
innovativ ist. Weiter so! (nick)
|
|
CURE (The)
Wild Mood Swings (PolyGram 31453 17932)
Viel außerordentliches hat ja die musikalische Dürreperiode
der 80er nicht hervorgebracht. The Cure gehören aber auf jeden Fall
dazu. Wehleidige Jammer-Songs, traurig-schöne Balladen, bissiger
Pop, The Cure haben viel Gutes hervorgebracht. Diesmal gibt’s aber ein
Problem, Robert Smith trägt zwar immer noch Lippenstift im bleichen
Gesicht, hat aber, nach eigener Aussage, 1995 als das glücklichste
Jahr seines Lebens verbracht. Schön für ihn, schlecht für
uns. Denn am besten ist er immer noch als Jammerlappen. Traurig und voller
Selbstmittleid. So kommt es das Wild Mood Swings zwar recht nett ist,
manchmal auch wirklich schöne Momente hat (Jupiter Crash) jedoch
von einstigen Meisterwerken tausend Freudensprünge weit entfernt
ist.
|
Dave Matthews
Band
Live At The Red Rocks
Nach den beiden formidablen Alben "Under The Table And Dreaming" (Award
der Musikakademie ´96) und "Crash" (Top Ten Plazierung der Billboard Charts)
kam nun die dritte Veröffentlichung in Form eines Doppelalbums auf
den Markt.
Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt, der einen Querschnitt des künstlerischen
Schaffens der Dave Matthews Band darstellt. Die Band nahm bei diesem Konzert
im Jahre 1995 bereits fünf Nummern von dem erst ein Jahr später
erscheinendem Album Crash vorweg und präsentierte eine eigenwillige
Version von "All Along The Watchtower". Nach einem langen, etwas seichten
Intro erklingt zum ersten Mal eine Stimme, und man ist versucht zu glauben,
Eddie Vedder (Pearl Jam) gäbe hier einen Gastauftritt. Tatsächlich
aber handelt es sich um die ebenso charismatisch wie wohlklingende Stimme
von Dave Matthews. Mit "Satellite" stellt sich dann auch schon der erste
Höhepunkt dieses Albums ein. "Two Step" oder "Drive" stehen stellvertretend
für die rockigere Seite dieser Band. Deren Stil läßt sich
mit Folk, Rock und Jazz nur annähernd beschreiben, vielmehr ist es
eine wunderbare Symbiose all dieser Stilrichtungen. Allmählich sich
steigernde Spannung und herzergreifende Refrains sind ein weiteres Kennzeichen.
Dieses Doppelalbum bietet somit allen Musikliebhabern und (zwangsweise)
zukünftigen DMB-Fans einiges. Vorsicht Suchtgefahr, aber was soll´s
"life is short but sweet for certain", wie uns Dave Matthews versichert.
(Alex) |
|
dEUS
The Ideal Crash
dEUS ist ein belgisches Konglomerat aus
genialen jungen Musikern, die in wechselnder Besetzung rund um den Leader
und Sänger Tom Barman nun seit 1990 drei offizielle Alben (einschließlich
diesem) veröffentlicht haben, die unterschiedlicher nicht klingen
könnten. dEUS galten und gelten dabei seit ihrem Debütalbum
als Geheimtip unter Musikliebhabern, die abseits des 08/15-Pop Zuflucht
suchen. Das sind die Facts. Aber nun zu etwas ganz anderem, der Musik.
Musik? Das ist nur ein Wort, und wird dem was hier geboten wird aufgrund
seiner überbeanspruchten und mannigfaltigen Bedeutung allein nicht
gerecht. Es ist mehr, nein es ist vielmehr. Vielmehr das was man sich
als Musik-Freak nach all dem Schwachsinn der produziert, gespielt (Dank
Ö3 & Co), gehört und gekauft wird, gewünscht und erträumt,
aber nicht erwartet hat. Auf diesem Album werden Geschichten erzählt.
Geschichten die schon ein jeder so oder in ähnlicher Form erlebt
und empfunden hat. Jeder Song mimt dabei die Fortsetzung des Vorhergehenden,
behält aber dennoch seine Individualität. "Instant Street" und
Dream Sequence #1" sind sehr eindringliche, von tiefen inneren Gefühlen
bewegte Balladen, die an Originalität nichts vermissen lassen. Beim
Opener "Put The Freaks ..." oder dem Titeltrack "The Ideal Crash" schlägt
man schon mal eine raschere Gangart ein. Alles in allem aber gibt es auf
diesem Album keine Oustanding-Tracks, vielmehr handelt es sich bei The
Ideal Crash um ein Outstanding-Album. Ein Album das man auf "Repeat" stellen
und drei Wochen hintereinander hören kann, ohne irgendetwas zu vermissen.
Kaufen! Hören!! Genießen!!!
(Alex) * * * * * *
|
|
DIE ÄRZTE
13
"Die beste Band der Welt" hat ein neues, Tralala - Album herausgebracht.
13 heißt es, und dies könnte auch bezeichnend für einen
Freitag, den 13. in der deutschen Musikgeschichte sein. Die Band, die
vorgibt Punkrock zu produzieren, und dies in früheren Tagen auch
manchmal tat, hat sich nun auf Bravo Hits Niveau begeben.
Die Singleauskoppelung "Männer sind Schweine" sagt schon alles über
das neue Album und das Trio aus Berlin aus. "Vetter" Farin und seine Mannen
sollten mal wieder Urlaub machen. "Männer sind Schweine" ist die
Antwort auf Schröders und Guildo Horn. Alberne deutsche Texte mit
Pop aber ohne Pep zum Mitsingen, Schunkelstimmung à la "Moik wird
Sechzig".
Doch nicht Moik, sondern Lara Croft - virtuelle Frauengestalt des Computerspielzeitalters
- stand Bela B., Farin Urlaub und Rod Gonzalez als Videopartnerin gegenüber.
Darüber ist der Schlagzeuger schlagartig halbseitig ergrünt,
der Gitarrist errötet; beide betont jugendlich getrimmt nach 16jähriger
Praxis.
Soviel ist aber gewiß: nach "Le Frisur" (1996), der letzten Peinlichkeit
der Ärzte, haben sie nun wieder einen garantierten kommerziellen
Erfolg gelandet, der, was die Verkaufszahlen betrifft, "Die Bestie in
Menschengestalt" (1993) sogar noch übertreffen dürfte. Also
wem interessiert da noch ihre Punk-Authentizität. Nicht nur Guildo,
auch Die Ärzte haben uns lieb. * * (bettre)
|
Die
Fantastischen Vier
Unplugged |
|
DIE GOLDENEN ZITRONEN
Economy Class (ixthuluh 155 49-2)
Die versammelte deutsche Musikpresse liegt flach vor Die Sterne und ignoriert
beflissentlich den Rest. Wie Die Goldenen Zitronen zum Beispiel. Diese
Burschen haben sich schon vor Jahren von ihren einfachen, zu Punksongs
umgemodelten Coverversionen verabschiedet, wobei ihr "Für Immer Punk"
immer noch viele andere gleichartige Lieder in den Schatten stellt. Schon
länger operieren sie nun schon mit schrägen Klängen, verzerrten
Stimmen, übersteuerten Gitarren und mit oft sehr eindringlichen Texten.
Bestes Beispiel dafür ist ihr "Das Bißchen Totschlag" von ihrem
gleichnamigen letzten Album. Leider nerven diese Stilmittel aber auf die
Dauer und deren Wirkung erlischt ziemlich schnell. Trotzdem, die Zitronen
sind immer noch eine Band die einiges zu sagen hat.
|
|
DOG EAT DOG
Play Games (Sony 88762)
Who´s The King? Dog Eat Dog nicht mehr, die haben sich selbst enttrohnt.
Lieferten sie mit ihrem "All Boro Kings"-Album ein Crossover-Meisterstück
das mit den Super-Hits "Who´s The King?" und "No Fronts" zwei Chartbreaker
enthielt und das die Band zu den MTV Music Award Gewinnern des Jahres
1995 machte, ist Play Games nur noch ein mittelmäßiger Abklatsch
davon. Metal-Gitarren, Rap-Gesang und Ska-Einflüsse machen noch keine
Hits. Und auch diverse Gäste wie Wu-Tang Clan´s RZA können da
nur noch wenig ändern. Das Übel liegt am Songmaterial, das eben
nur noch durchschnittlich ist. Ob das nun am Abgang des bisherigen Songschreibers
Dan Nastasi liegt, oder am großen Leistungsdruck, den der Erfolg
von All Boro Kings entstehen ließ, sei dahingestellt. Tatsache bleibt,
daß die Könige nur noch Herzöge sind.
|
|
Eminem
The Slim Shady LP
Die Millionenstadt Detroit gibt wiedereinmal ein musikalisches Lebenszeichen
von sich. Nach dem Achtungserfolg der düsteren Fun-Combo Insane Clown
Posse ist es nun Eminem. Der weiße Rapper erhebt seine Heimatstadt
nun endgültig zu einer weitern fixen Größe im permanenten
Kräftemessen der bisherigen Kontrahenten NY versus LA.
Gleich zu Beginn findet sich der aktuelle Hit und absolute Kracher "My
Name Is". Für die fetzigen Beats zeichnet vor allem ein Name verantwortlich:
Dr. Dre. Der Altmeister, der zuletzt Snoop Dog hypte, köderte den
Youngster nach einem Freestyle-Auftritt im Radio für sein eigenes
Plattenlabel. Hilfreich griff er seinem jungen Kollegen bei der Produktion
unter die Arme. Und Dr. Dre’s Regie sind auch einige weitere Höhepunkte
zu verdanken (z.B.: "Guilty Consience", "Role Model"). Was Eminem positiv
von anderen Rappern abhebt? Er verfällt nicht in stereotype Texte,
die beliebig austauschbar wären, sondern verpackt seine Reime in
tragik-komische Geschichten ("Bonnie & Clyde").
(heinz) * * * *
|
Erykah
Badu
Mama's Gun |
|
Everlast
Whitey Ford Sings The Blues
Es hat sich ausgesprungen für den ehemaligen Frontmann der weißen
HipHop Band "House Of Pain". Deren größter Hit "Jump Around"
läßt auch heute noch, jeden der etwas Rhythmus im Blut hat,
nicht ruhig bleiben, doch für Erik Schrody alias Everlast sind keine
großen Sprünge mehr drinnen. Acht Jahre und drei Alben "House
Of Pain" forderten ihren Tribut und nun hat's der Mann am Herzen. Ein
Herzinfarkt beendete unsanft und plötzlich seine Karriere und danach
rechnete niemand mehr mit dem einstigen Herzeigemann des weißen
HipHop. Nicht einmal er selbst.
Langer Einleitung kurzer Sinn, Everlast sprang dem Tod von der Schippe,
ließ sich operieren, besann sich während seiner Genesung auf
des Lebens wahre Werte und präsentiert nun, neben einer Narbe die
über seinen halben Oberkörper geht, sein Comebackalbum.
"Ich bin älter geworden" sagt er in fast jedem Interview und meint
damit wohl, daß er klüger, reifer und besonnener geworden ist.
Everlast has the blues. Mit einer Mischung aus Soul, Blues und Old School
HipHop singt der einstige Rapper übers überleben. Die Turntables
ersetzt er Großteils durch seine Wanderklampfe und das Ergebnis
läßt sich am ehesten mit der Arbeit von Beck vergleichen. Zum
Entsetzen manch seiner einstigen Fans, schreckt Schrody weder vor Piano
noch Cellobegleitung zurück, setzt diese Instrumente aber gekonnt
und mit viel Soul ein. Höhepunkt des Albums: das programmatische
"What's It's Like" das in den USA schon ein Hit ist (Platinstatus), und
in Europa soeben einer wird. Mittelmäßig wird’s nur bei den
HipHop Nummern, denen tut allzuviel Entspannung nicht gut. (nick) * *
* * *
|
|
Falco
Verdammt wir leben noch
* *
BMG 743217-04992
Vertrieb BMG Ariola
Verdammt, Falco lebt nicht mehr, dafür aber versuchen seine Nachlaßverwalter
auf des toten Popstars Kosten gut zu leben. Nachdem im letzten Winter
das bisher - aufgepaßt - 9. Best Of Falco Album erschienen ist,
macht man sich nun daran die Archiv-Schubladen auszuräumen. 10 bisher
unveröffentlichte Songs, die zwischen 1987 und 1997 entstanden sind,
wurden herausgekramt (2 Remixe gibt's als Zuckerl) und liegen nun fürs
Weihnachtsgeschäft bereit. Leider bestätigt sich auch bei diesen
Songs wieder, daß der Falke seit spätestens Mitte der 80er
nichts mehr zu sagen hatte, und entsprechend irrelevant sind auch diese
10 "neuen".
Keine Offenbarungen also für durchschnittliche Musikhörer, für
Falco-Fans allerdings kommt `Verdammt wir leben noch` einer Erscheinung
gleich. Denn trotz aller Versuche sein Andenken, wenn schon nicht zu schänden,
dann wenigstens zu verschandeln, Falco war und ist ein großer in
der Geschichte des Pop. Seinem unsäglichen Denkmal am Zentralfriedhof
zum Trotz. (nick)
|
|
Fatboy Slim
You’ve Come A Long Way, Baby
Er begann als Bassist bei den Housemartins, landete mit Beats International
einen Bestseller, fand sich mit Freak Power in den Charts wieder und als
Pizzaman belegte er wieder Spitzenplätze eben dort. Norman Cook hat
einen langen Weg hinter sich, Baby. Der DJ und Producer wechselte in den
Jahren die Künstlernamen und Projekttitel, auch die Stile, nur sein
Stammplatz in den Charts blieb ihm immer erhalten.
Doch den Höhenflug den der Funk Soul Brother right about now ("Rockafeller
Skank") antrat, übertrifft alle bisherigen Erfolge. Mit seiner jüngsten
Reinkarnation Fatboy Slim hob er ab und ist "Fucking In Heaven", wie er
diesen Song lang ständig wiederholt.
"Gangster Tripping", "Praise You", sowie die beiden schon erwähnten
Songs sind nur ein paar Beispiele, wie treffend dieser Mann den Sound
der ausgehenden 90er artikuliert.
Der Mann hat die fettesten Grooves, die sattesten Beats des Hier und Jetzt.
Für den Moment sind Prodigy und der Rest der Breakbeat-Gemeinde vergessen.
Was heute zählt, ist Fatboy Slim, was morgen kommt, weiß niemand.
Nur eines ist gewiß, Norman Cook wird man wieder treffen - unter
welchem Pseudonym auch immer. * * * * * (nick)
|
Fatboy
Slim
Halway Between The Gutter And The Stars |
|
Fear Factory
Obsolete
Mit bis dato noch nicht dagewesener Wucht und Radikalität vermitteln
Fear Factory eine Mischung aus Metal und Elektronik. Für metalungeübte
Ohren eröffnet sich da zunächst eine ganz neue Welt, die einen
zunächst verstört, aber gleichzeitig auch zu interessieren beginnt.
Das ganze hat schon starke Ähnlichkeit mit Life Of Agony oder Type
O Negative, nur wird hier ein radikales Stück weiter gegangen.
Schlagzeug und Gitarren trashen um die Wette. Der Sänger schreit
sich die Seele aus dem Leib daß es nur so eine Freude ist, um in
einzelnen Passagen dann wieder sehr sphärisch und qausi erlösend
zu klingen. Ständig präsent sind dabei elektronische Spielereien,
die der ganzen Platte zudem noch eine ganz besondere Atmosphäre beisteuern.
Herausragend gut wissen "Resurrection" und "Descent" zu gefallen, sie
sind gleichzeitig auch die Singleauskoppelungen von "Obsolete". Beendet
wird das Album dann durch ein sehr düsteres und trauriges Schlußepos
"Timelessness", das getragen durch Leadsängers Burton C. Bell´s eindringlich
gleißende Stimme und sehr leise Hintergrundinstrumente den Schluß
beschert, den man nach knapp 45 Minuten unsagbar wummernden und trashenden
Klängen erwarten darf.
Diese Platte bietet also einiges für Liebhaber harter und intelligenter
Klänge. Absolut nicht obsolete! (Alex) * * * *
|
FM
4 Soundselection 6
Compilation |
|
Frank Black and The Catholics
Wenn Neil Young der Großvater des Grunge ist, dann ist Frank Black
der Vater. Mindestens "Surfer Rosa", das genialste Album der Pixies, muß
sich in jeder anständigen Gitarrensammlung finden, und gerade in
letzter Zeit hört man immer wieder junge Bands die daraus fleißigst
zitieren. Doch Pixies gibt es nur noch in der Retrospektive. Und deren
Mastermind Frank Black hat sich anderen Dingen zugewandt. Den Katholiken.
Scheinbar unerschöpflich ist der Fundus aus dem er seine Songs schöpft.
Dynamische kleine Rockkracher die abziehen wie es nur bei gut eingespielten
Bands funktioniert. Und das sind er und die Catholics. Obwohl diese zusammenarbeit
erst neu ist wurde das Album gleich life im Studio eingespielt. Auf zwei
Spuren aufgenommen und bei einem Independent Label veröffentlicht.
Frank Black hat sich seiner alten Qualitäten besonnen. Des Songschreiben
und des Gitarrespielens. The Man in Black is back. Pixiesfreunde jubelt.
(wukl) * * * * *
|
|
Fun Lovin` Criminals
100% Colombian
Cool Down, Relax, entspann Dich und hör zu was die drei lustigen
Gauner aus New York da für eine erholsame Melange zusammengebraut
haben. Frei nach US 3: "Groovy, Jazzy, Funky HipHop". Ausgiebig bedienen
sich die drei bei den großen Soulklassikern der 70er und daß
sie mit "Love Unlimited" eine Hommage an Barry White geschrieben haben,
kommt wohl nicht von ungefähr. Bei "Mini Bar Blues" greift seine
Hoheit B.B. King himself in die Saiten, geborgt wird unter anderem bei
Hall & Oates, aber auch bei Tom Petty.
Hatten sich FLC bei ihrem Debüt vor zwei Jahren noch mehr dem Spaß
verschrieben, lassen sie es jetzt fast durchwegs ruhig angehen. Schwer
zu sagen, was mir da besser gefällt, beide Alben sind erstklassig.
Man darf schon jetzt auf`s nächste gespannt sein.
(wukl) * * * * *
|
|
Garbage
Version 2.0
Garbage sind hip. Nachdem das Debüt (Garbage) seit seiner Erscheinung
vor 30 Monaten zum Dauerseller wurde, wartete die ganze Popindustrie auf
das 2. Werk. Nun, sowohl die Medien als auch die Plattenbosse und Veranstalter
können beruhigt sein. Die Band konnte dem Erwartungsdruck standhalten
und lieferte eine perfekte Platte ab. Versetzt mit allem was das schottisch-amerikanische
Quartett um Butsch Vig auszeichnet. Popsongs mit fetten Dancebeats ("When
I Grow Up"). Zuckersüße Arrangements ("Medication"), Breakbeats
("Push It"). Und nichts klingt verkrampft, alles ist locker und easy arrangiert.
Und Shirley Manson, sexy Sängerin und Garant für anzügliche
Aussagen übe ihre Sexualpraktiken singt wie eine Mischung aus P.J.
Harvey und Chrissie Hynde, will sagen - singt super. (wukl) * * * * *
|
|
Garish
Amoaurise Pur.
|
|
Genesis
Turn It On Again - The Hits
* * *
Virgin
Vertrieb: EMI
Über 100 Millionen verkaufte Tonträger machen Genesis salopp
gesagt zu Pop-Dinos. Doch es gab auch Zeiten, da war die Band weniger
als Hitfabrik denn als Artrock Ensemble bekannt. Doch diese Zeiten endeten
1975 mit Gabriels Ausstieg und Phil Collins Wechsel zum Mikrophon. Danach
kamen die Hits. Danach stieg auch Phil Collins aus und wurde 1997 durch
den Ex-Stiltskin Sänger Ray Wilson ersetzt. Danach kam die Durchschnittlichkeit.
Da aber diese Compilation schon in ihrem Namen vorgibt Hits zu beinhalten,
ist es wenig verwunderlich, daß der Großteil, nämlich
15 der 18 Songs, der Post-Gabriel und Pre-Wilson Phase entstammt. Also
allesamt gut abgehangene und zumeist sattgehörte Hits aus den Jahren
'78 bis '91. Ausnahmen sind: "Congo" vom 97er "Calling All Stations",
"I Know What I Like (In Your Wardrobe)" aus dem Jahr 1973 und "Carpet
Crawlers". Letzteres, das im Original auf dem 74er Genesis Klassiker "The
Lamb Lies Down On Broadway" zu finden war, wurde sogar neu eingespielt.
Nämlich - und jetzt bitte Luft anhalten - von allen fünf original
Genesis Mitgliedern. Produziert und in modernes Soundgewand gepreßt
wurde das Stück von Trevor Horn. (nick)
|
|
Glow
/ Superclass
Was ist los mit den Deutschen? Sind die nicht angeblich so verkrampft,
unterkühlt und humorlos? Anscheinend nicht, nach Fools Garden und
Vivid in den letzten Jahren und Liquido diesen Winter, steht jetzt mit
Glow erneut eine (Brit)Pop Band am Start und mit "Mr. Brown" hat sie auch
schon ihren ersten, noch kleinen, Hit. Der Vierer aus München präsentiert
ein mit leichter Hand hingelegtes Debüt, das, im Gegensatz zu Liquido,
nicht nur aus einem Hit besteht, sondern eine runde Sache ist. Leider
wird's manchmal etwas zu banal und ein noch so oft wiederholtes La la
la - ho, ho (I Wish I Could Stay) macht halt noch kein "Ob-La-Di Ob-La-Da".
Aber sonst sind die Jungs ziemlich in Ordnung. Mitsing-Pop für den
Sommer. (nick) * * *
|
The
Go-Betweens
The Friends Of Rachel Worth |
Gomez
Abandoned Shopping Trolley Hotline |
|
GRANT LEE BUFFALO
Copperopolis ( ? 828 760-2)
Des Büffels Schmerz ist auch auf seinem dritten Longplayer nicht
verraucht. Im Gegenteil, er brüllt intensiv um Herz und Jugend. Gitarren
und Schlagzeug trampeln mit ihm über die Prärie und Harmonika
und Geigen schluchzen mit ihm um die Wette. Oberbüffel Grant Lee
Philips ist ein trefflicher Jammerlappen. Er und seine beiden Partner
kommen zwar aus Los Angeles, doch ihre Lieder handeln vom weiten Land,
von endlosen Landstraßen, von einer Sonne die alles austrocknet
und vom Regen der vielleicht, irgendwann, aufhört zu fallen. Folk,
Pop und Rock, sicher nicht Grunge, sind ihre Stilmittel, und mit seinen
poetischen Texten erreicht Phillips mittlerweile den Level eines Bob Dylan.
"Bethlehem Steel", "Comes To Blows", "All That I Have", Songs die in ihrer
Intensität und Schönheit Meisterwerke sind, stehen aber weniger
gelungenem Material gegenüber. So sind vor allem die rockigeren Nummern
eher banal und belanglos. Copperopolis ist in vielen Momenten sensationell,
aber leider nicht immer. Auch Büffel begeben sich manchmal auf ganz
einfaches, menschliches Terrain.
(wukl) * * * *
|
|
Green
Day
Warning
|
|
Guano Apes
Proud Like A God
* * *
Guano Apes sind die neuen Stars der Snowboarder. Zwar erinnert die Band
oft an Skunk Anansie, und das nicht nur weil Frontfrau Sandra Nasic ähnlich
wie Skin ins Mikro brüllen kann, doch das soll kein Fehler sein.
Proud Like A God ist ein stolzes Album. Schon mutiert "Open Your Eyes"
zum Hit, und daß "Lords Of The Boards" schon jetzt zur Hymne für
eine bestimmte Menschengruppe stilisiert wird, ist naheliegend. Die deutsche
Band vereint alles was unbeschwerte Youngsters lieben laute Gitarren,
Mitgröhl Refrains und Spaß. (wukl)
|
|
Hazeldine
How Bees Fly
* * * * *
Glitterhouse Records 718756 141624
"Fuck me like bad man", klar artikulierte Wünsche die Tonya Lamm
da preisgibt. In sonderbarem Kontrast dazu steht die Musik, die in bester
amerikanischer Tradition folkig, rockig daherkommt. Drei junge Damen und
ein Herr sitzen irgendwo in New Mexico und lassen sich von der Einsamkeit
nicht unterkriegen, ganz im Gegenteil. Inspiriert durch das karge Land
fliegen ihnen die Ideen nur so zu, und mit "How Bees Fly" gelingt ihnen
eines der besten Country-Rock Alben des Jahres. Was bei Walkabouts mit
zuviel Streicher- und Keyboard-Schmalz zugedeckt und bei Alanis Morisette
oft mit Pseudorock überspielt wird, liegt bei Hazeldine ganz offen:
Liebeskummer, Einsamkeit, Seelenschmerz. Schwer drückt diese Last
auf die zarten Seelen der vier Musiker. Doch Aufgeben ist ihre Sache nicht.
Zwei Gitarren, ein Baß und ein Schlagzeug, in klassischer Besetzung
und ohne unnötigen Firlefanz wird hier alles gesagt, was zu sagen
ist: Das Leben mag uns oft mit allerlei Mühsal plagen, schön
ist es aber doch.
How Bees Fly ist die Platte für staubige Landstraßen, fürs
Lagerfeuer, für gebrochene Herzen, für alle einsamen Wölfe.
(wukl)
|
Heinz
Pasadena |
|
Heinz (Aus Wien)
elektroboot, bitte
* * * *
Universal (0251710052)
Nach dem vorjährigen Überraschungserfolg ihres Debütalbums
und nachdem ihnen mit "Ich geh´ jetzt schlafen ohne dich" fast ein Hit
gelungen wäre, hätten sie sich nicht mit der Mutter aller österreichischen
Hitparaden angelegt, versuchen Heinz jetzt aufs neue die Charts und wenn´s
geht auch die Kommerzfestung Ö3 zu stürmen. An ihrer Musik kann´s
nicht liegen, denn die vier jungen Wiener machen unbeschwerte, deutschsprachige
Popmusik mit Reimen, daß sich (manchmal) die Wände biegen.
Die einfach instrumentierten Melodien können dabei auch kein Problem
sein. Wer jetzt der Ansicht ist, Heinz ist nicht besonders anspruchsvoll,
der hat recht. Aber das wollten die Burschen auch nie sein, brauchen sie
auch nicht. Heinz sind witzig, spritzig, unbeschwert und machen Popmusik
irgendwo zwischen Hamburger Schule (Tocotronic, Die Sterne) und (der alten)
Neue Deutsche Welle. Und sie verdienten sich alle Ehren. Sogar die zweifelhafte
auf Ö3 gespielt zu werden.
(wukl)
|
|
HELMET
Aftertaste
Still und heimlich verkauften Page Hamilton und seine drei Gefährten
von ihrem letzten Album (Betty) ein paar Millionen Stück und stiegen
so von hinten in die erste Liga des Rock auf. Dort werden sie auch bleiben.
Aftertaste hat alles was der (Metal?) Fan sich wünscht. Songs zum
Kopfschütteln, punkige Springnummern, herrlich kreischende Gitaren
und, das Wichtigste, Energie. Schon der Opener "Pure" reißt einen
vom Sessel und bis zum letzten Song hält dieser Druck an. Was aber
nicht heißt das die Burschen nur Vollgas geben. Ganz im Gegenteil,
zumeist bewegen sie sich im midtempo Bereich und hie und da nehmen sie
sich auch Zeit für gemütlichere Songs (Like I Care). Alles in
allem konnten Helmet den hohen Erwartungen die in sie gesetzt wurden entsprechen,
und mit dem neunten Song des Albums, "Diet Aftertaste", haben sie sowieso
den bisher besten Rocksong des Jahres abgeliefert.
* * * * * (nick)
|
|
Herbert Grönemeyer
Bleibt alles anders
Über Deutschlands zweiterfolgreichsten Sänger (nach M. M. Westernhagen)
kann man sagen was man will. Man kann sagen er ist arrogant, seine Texte
seien genauso geschwollen wie seine Stimmbänder, er könne nicht
tanzen. Doch das alles tut und tat der Qualität seiner Platten keinen
Abbruch. "Bleibt alles anders" ist Grönemeyer pur. Nicht mehr und
nicht weniger. Und an wem soll man den Mann schon messen, wenn nicht an
sich selbst. Und diese Prüfung besteht er wieder glänzend. Ob’s
gefällt, ist nur noch Geschmackssache. (wukl) * * * *
|