
SREBRENICA 360°
Srebrenica war einst eine der reichsten Städte in Bosnien und Herzegowina. Bis 1992 auf dem Balkan der Krieg ausbrach. Im Juli 1995 ermordeten serbische Nationalisten in der Enklave Srebrenica – unter den Augen der Weltöffentlichkeit und trotz des Schutzes der holländischen Blauhelm-Soldaten – fast 10'000 bosniakische Männer. Heute, 14 Jahre später, sind die Spuren dieses Völkermordes in Srebrenica nach wie vor präsent. Viele Massengräber müssen noch geöffnet, viele Leichen(teile) noch identifiziert werden.
Von Aufschwung ist weiterhin nicht viel zu sehen. Die meisten Häuser stehen nach wie vor leer, viele bosniakische (muslimische) Menschen sind nicht zurückgekehrt, weil es in Srebrenica keine Hoffnung auf eine Zukunft gibt: wenig Arbeitsplätze, kaum Investoren, keinen Fortschritt. Die Arbeitslosenquote beträgt zwischen 70 und 80 Prozent. So leben vorwiegend alte Menschen hier, viele Frauen (deren Männer und Söhne beim Massaker umgekommen sind), Witwen und traumatisierte Männer.
Die Menschen in Srebrenica hoffen seit 14 Jahren darauf, dass sich ihre Situation endlich verbessert, dass ein Hauch von Normalität einkehrt. Sie hofften bisher vergeblich. Die ökonomische Situation ist verheerend, die politische verfahren. Es ist nicht sicher, ob sich die Gemeinde in absehbarer Zeit von den Schrecken des Krieges erholen wird.
Die missliche Situation hat die Schweizer Journalistin Renate Metzger-Breitenfellner veranlasst, gemeinsam mit einem Filmteam nach Srebrenica zu reisen und einen Dokumentarfilm über das Leben der Menschen zu drehen. Darüber, wie sie das Heute bewältigen, wie sie mit der Erinnerung an das Gestern auf ein Morgen hoffen können.
„SREBRENICA 360°“ ist ein Dokumentarfilm über die aktuelle Situation in Srebrenica, ein Zeitdokument, 14 Jahre nach dem Massaker. 55 Minuten, in denen Menschen aus Srebrenica zu Wort kommen, ein Film voller Geschichte und Geschichten:
Hatiđa Mehmedović wünscht sich, es möge niemals mehr Krieg geben, Amra Begić träumt von Srebrenica als einem Ort, an dem Menschen unterschiedlichster Ethnien wieder leben können und wollen, Namir Porić strebt nach einem Zusammenleben in Srebrenica, wie es vor dem Krieg, vor dem grausamen Massaker von 1995, einmal möglich war.
Werden die Wünsche und Hoffnungen der Menschen in Srebrenica erfüllt – oder stolpert das ostbosnische Städtchen weiterhin Tag für Tag über seine Geschichte? Antworten wird die Zukunft bringen – „SREBRENICA 360°“ zeigt die Gegenwart; den Alltag und die Sehnsüchte.
BILDER AUS SREBRENICA

Die Namen der Vermissten im Memorial Center in Potočari bei Srebrenica

Gedenkstein im Memorial Center

Friedhof im Memorial Center

Die „offene Moschee“ im Memorial Center

Abdulah Purković, Hotelier und Rückkehrer

Fadila Efendić, Kioskbesitzerin

Hatiđa Mehmedović, Rückkehrerin, Witwe und Präsidentin der „Mütter von Srebrenica“

Namir Porić, Manager von „Bauern helfen Bauern“ (hier mit Zilka Zilić, einer Rückkehrerin)
Renate Metzger-Breitenfellner