NOX LATINA (16. 04. 2010)

Auch heuer fand in Wien zur Förderung des allgemeinen Interesses an der vermeintlich toten Sprache Latein die „Nox Latina“, die lange Nacht des Latein, statt. Dankenswerterweise ermöglichte die Direktion der überschaubaren Anzahl der Teilnehmer dieser ungewöhnlichen Veranstaltung beizuwohnen. Unter der enthusiastischen Leitung unserer Altphilologin und Geschichtsexpertin Frau Mag. Himmler ließen wir also die Jahrtausende hinter uns, um die Sprache der Dichter und Philosophen fernab von Schule und Leistungsdruck auf unkonventionelle Weise kennen zu lernen. Als erste Station erwählten wir das Schottengymnasium, dessen mittelalterlicher Keller zum Schauplatz einer der größten Tragödien der Antike wurde. Die uns aus Ovids Metamorphosen wohl bekannte Geschichte von „Pyramus und Thisbe“ wurde von einer Schülergruppe glänzend inszeniert und in lateinischer Sprache (mit eingeblendetem deutschen Untertitel) aufgeführt. Nach diesem fulminanten Auftakt erwartete vor allem die musisch Interessierten unter uns ein weiterer Höhepunkt im Liese Meitner Gymnasium: Unter dem Titel „Cantare necesse est“ lud der Chor des Gymnasiums zum Singen teilweise zeitgenössischer Lieder ein, die ins Lateinische übersetzt wurden. Im Bewusstsein der Gefahr bei manchen Schülern Alpträume und Schreckensvisionen hervorzurufen weise ich auf die nächste Station hin: „Mit den alten Römern rechnen: Antike Zahlen, Abacus und Co.“ lautete der Titel eines Vortrags, in dem die allzeit beliebte Mathematik mit Latein verbunden wurde. Den eindrucksvollen Abschluss unserer Exkursion bildete ein Besuch am Institut für Klassische Philologie, Mittel- und Neulatein an der Universität Wien, wo wir einer Vorlesung, welche das antike Theater behandelte, beiwohnten und die imposante Bibliothek des Instituts kennenlernten. Summa summarum bewies die „Nox Latina“, dass die lateinische Sprache auch im 21. Jahrhundert von kaum zu überschätzender Bedeutung für Wissenschaft, Kultur und auch das Alltagsleben ist.

Daniel Kirnbauer 7A